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HINTERGRUND

Behandlung von Demenzpatienten - "dankbare Aufgabe für einen Arzt"

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:

Auf dem Schreibtisch von Hausarzt Volker von der Damerau-Dambrowski aus Stade liegt ein Magazin mit auffälligem Bild: Eine gut frisierte alte Dame guckt mürrisch in die Kamera und hält eine Wolldecke wie einen Strauß Rosen im Arm. Auf dem Tisch vor ihr faßt sie nach einem Kaffee-Becher, in dem ein Stoff-Teddy steckt. Bildunterschrift: "Alzheimer-Demenz. Wir sind alle gefordert."

Von der Damerau-Dambrowski kümmert sich seit sieben Jahren verstärkt um Demenzpatienten und hat festgestellt: "Das ist eine außerordentlich dankbare Aufgabe für einen Arzt." Befürchtungen vieler seiner Kollegen über demente Patienten kann er "verstehen, aber auch entkräften", wie er sagt. In seiner Hausarztpraxis waren nur kleine Umstellungen nötig, um altersverwirrte Patienten optimal zu versorgen.

"Ich habe eine Traum-Mannschaft", sagt der Hausarzt und deutet durch die Tür auf den Anmeldetresen, "meine Mitarbeiterinnen haben inzwischen eine große Sensibilität entwickelt dafür, ob ein Patienten zum Beispiel auffällige Gedächtnisstörungen hat." Am Telefon, beim Blutabnehmen oder beim Anmeldegespräch haben Birgit Nicolai und ihre Kollegen ein offenes Ohr.

Fällt Patienten der Name des Medikaments nicht mehr ein?

Fällt einem Patienten der Name seines Standardmedikamentes nicht mehr ein? Wird die Frist der Nachbestellung plötzlich sehr kurz oder sehr lang? Produziert die Patientin ständig kleine Unfälle, oder beschwert sich der Ehemann über oft versalzenes Essen? "Alles das sind Indizien für eine beginnende Alzheimer-Erkrankung, Hinweise, auf die wir hier achten", sagt von der Damerau-Dambrowski.

Vor sieben Jahren hat der Hausarzt festgestellt: "Stade hat 45 000 Einwohner, aber niemanden, der sich professionell um altersverwirrte Menschen kümmert." Inzwischen ist er in der Gegend als Spezialist für Demenzerkrankungen bekannt. "Aber ich betreue nicht überproportional viele altersverwirrte Patienten", versichert er, "allerdings behandle ich doch mehr von ihnen als vorher. Denn durch die einfachen Untersuchungen habe ich manche meiner langjährigen Patienten sozusagen enttarnt. Das kann doch allen nur nützen."

Patienten müssen kleine Ornamente zeichnen

Bei einem Alzheimer-Verdacht heißt es, mit den Patienten behutsam einige Tests zu machen. Den Uhrentest zum Beispiel, in dem die Patienten das Ziffernblatt einer Uhr korrekt malen sollen, oder Begriffsreihen erinnern oder kleine Ornamente kurz sehen und dann selber zeichnen. "Alles sehr einfach und sehr effektiv", sagte der Hausarzt, "pro Patient brauchen wir da höchstens eine Viertelstunde."

Diese Tests machen die Praxishelferinnen. Geduldig, freundlich und einfühlsam müssen die Praxishelferinnen arbeiten. Wer selbst keine Befürchtungen hegt, mit altersverwirrten Menschen umzugehen, der produziert auch bei anderen keine Befürchtungen, hat von der Damerau-Dambrowski festgestellt. Die freundliche Praxisatmosphäre, die lebhaften Blumenbilder an den Wänden, das entspannte Team tun ein Übriges.

Die Auswertung der Tests macht der Hausarzt selbstverständlich selber. Die Wirkung: Die betroffenen Patienten sind entgegen der landläufigen Meinung keineswegs peinlich berührt, wenn ihnen der Hausarzt Gedächtnistests vorschlägt. Von der Damerau-Dambrowski: "Ganz im Gegenteil, sie sind geradezu erlöst, wenn sie sich nicht mehr verstecken müssen. Und den Angehörigen geht es oft genauso"

Die Gesamtversorgung der Altersverwirrten könne aber nur gelingen, wenn der Hausarzt sich als Teamspieler begreife. In Stade verweist der Arzt darum die Angehörigen zu einer Selbsthilfegruppe oder zu speziellen Fortbildungsveranstaltungen, vermittelt tage- oder stundenweise Betreuungen, sieht sich nach fachkundigem Personal in Altenheimen um und verweist auf die Alzheimer-Gesellschaft Stade mit ihrem Beratungstelefon.

Das alles steht in einem Faltblatt, das er für die Angehörigen der Patienten bereithält. "Als Hausarzt kenne ich meine Leute und sitze als Case-Manager an zentraler Stelle", sagt er. Für ihn ist die Aufmerksamkeit des Hausarztes die einzige Möglichkeit, Demenz früh zu erkennen. In einer Klinik sei dafür kaum Zeit. Abgesehen davon werde die Diagnose bei und Behandlung von Patienten mit Alzheimer-Demenz nicht durch die DRG abgedeckt. Anders in der Hausarztpraxis. "Mit richtiger Medikation kann die Entwicklung von Demenz drei bis fünf Jahre aufgehalten werden", meint der Hausarzt.

Die Medikamente für Demenzpatienten sind allerdings teuer. "Daß ich erhöhte Verordnungskosten habe, kann ich nicht wegdiskutieren." Wer sich aber an die Präparate halte, die die Arzneimittelkommission empfiehlt, bekomme auch hier keine Probleme. "Bei mir hat die KV in Absprache mit den Kassen dafür gesorgt, daß solche teuren Behandlungen schon im Vorfeld aus dem Budget herausgerechnet werden," so von der Damerau-Dambrowski, "ich war noch nie in einem Regreß."

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