Screening

Bei negativer Koloskopie droht lange kein Darmtumor

Nach einem negativen Screening-Befund erscheint eine erneute Koloskopie zehn Jahre später gerechtfertigt: Erst dann steigt die Darmkrebsmortalität wieder deutlich an.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Termin für die Darmspiegelung. Finden Ärzte keinen Darmkrebs, folgt der nächste Termin in der Regel nach zehn Jahren.

Termin für die Darmspiegelung. Finden Ärzte keinen Darmkrebs, folgt der nächste Termin in der Regel nach zehn Jahren.

© Henry Schmitt / Fotolia

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie hoch sind Darmkrebsrisiko und Darmkrebsmortalität in den Jahren nach einem negativen Screening-Koloskopiebefund?

Antwort: Die Darmkrebsinzidenz ist im zehnten Jahr nach der Koloskopie rund um die Hälfte, die Darmkrebsmortalität sogar um fast 90 Prozent geringer als bei ungescreenten Gleichaltrigen.

Bedeutung: Eine Wiederholung der Koloskopie nach zehn Jahren bei negativem Befund erscheint sinnvoll.

Einschränkung: Gerade die Langzeitdaten der Studie sind wenig zuverlässig.

SAN FRANCISCO. Finden Ärzte bei einer Koloskopie nichts Auffälliges, werden die Patienten in der Regel erst zehn Jahre später zu einer erneuten Darmspiegelung eingeladen.

Dieses Intervall sei jedoch wenig evidenzbasiert und der optimale Zeitpunkt für eine erneute Koloskopie daher unklar, berichten Gastroenterologen des US-Versicherers Kaiser Permanente in San Francisco.

Anhand von Angaben zu 1,25 Millionen Versicherten kommen sie nun zu dem Schluss, dass bei einem negativen Koloskopiebefund auch zwölf Jahre nach der Untersuchung das Darmkrebsrisiko noch deutlich geringer ist als in der nicht gescreenten Bevölkerung.

Darmkrebsinzidenz um zwei Drittel reduziert

Die Forscher um Dr. Jeffrey Lee berücksichtigten alle Versicherten aus dem Norden Kaliforniens, die zwischen 1998 und 2015 ein Alter von 50 bis 75 Jahren sowie ein durchschnittliches Darmkrebs-Erkrankungsrisiko aufwiesen (JAMA Intern Med 2018; 17. Dezember).

Solche Versicherten hatten bislang also keine nahen Verwandten mit Darmkrebs, keine entzündlichen Darmerkrankungen oder andere bekannte Risikofaktoren für Darmtumoren.

Knapp 100.000 Personen absolvierten eine Koloskopie mit negativem Befund. Im Laufe von durchschnittlich 4,2 Nachbeobachtungsjahren wurden bei diesen Versicherten 184 kolorektale Tumoren aufgespürt, das entspricht 44 Tumoren auf 100.000 Patientenjahre. Unter den übrigen Versicherten lag die Rate mit 124 Tumoren auf 100.000 Patientenjahre rund dreifach höher.

Wurden Personen ohne jegliches Darmkrebsscreening betrachtet, also auch ohne Tests auf Blut im Stuhl, so erkrankten altersadjustiert im ersten Nachbeobachtungsjahr 63 von 100.000 an einem Kolorektalkarzinom, 225 waren es im zwölften Jahr.

Mit 17 und 133 Erkrankungen lag die Inzidenz bei den Screeningteilnehmern mit negativem Koloskopiebefund deutlich niedriger.

Die beiden Gruppen unterschieden sich ebenfalls bei der Darmkrebsmortalität. Im ersten Jahr starben von 100.000 ungescreenten Personen 11, im zwölften 192 an Darmkrebs. Mit 7 und 92 Todesfällen war die Inzidenz bei negativem Koloskopiebefund auch hier deutlich geringer.

90 Prozent geringere Mortalität nach zehn Jahren

Wurden Alter, Geschlecht, Ethnie, Komorbiditäten und BMI berücksichtigt, war die Darmkrebsrate im ersten Jahr nach einer Koloskopie mit negativem Befund rund 95 Prozent geringer als bei ungescreenten Versicherten, im zehnten Jahr lag die Inzidenz noch um 46 Prozent darunter.

Auch in den Folgejahren war die Inzidenz bei negativem Befund um etwa die Hälfte geringer, im zwölften Jahr aber nicht mehr signifikant – offenbar gab es kaum Personen mit einer derart langen Nachbeobachtungszeit.

Noch deutlichere Unterschiede fanden die Forscher bei der Darmkrebsmortalität. Diese lag im ersten Jahr nach einer Koloskopie mit negativem Befund um 96 Prozent und im zehnten Jahr noch um 88 Prozent niedriger als unter nicht gescreenten Versicherten. Im zwölften Jahr zeigte sich jedoch nur noch ein nicht signifikanter Vorteil von 30 Prozent. Auch dies spricht dafür, dass eine Wiederholung der Koloskopie nach etwa zehn Jahren durchaus vernünftig ist.

Ein Manko der Studie ist jedoch, dass nur relativ wenige Versicherte zehn und mehr Jahre nachbeobachtet wurden. Die Konfidenzintervalle für die meisten Resultate gingen bereits nach acht Jahren weit auseinander, Resultate für spätere Zeiträume dürften daher nur wenig vertrauenswürdig sein.

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