Unspezifische Symptome

Bei welchen Darmbeschwerden zur Koloskopie überweisen?

Wie lässt sich bei jüngeren Patienten im Alter bis 50 mit unspezifischen Symptomen das Risiko für eine schwere Darmerkrankung abschätzen? Britische Forscher haben dazu ein Tool entwickelt: Auf Basis von zehn klinischen Parametern wird damit ermittelt, ob eine fachärztliche Abklärung notwendig ist.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Bauchschmerzen: Auch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder ein kolorektales Karzinom können die Ursache sein.

Bauchschmerzen: Auch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder ein kolorektales Karzinom können die Ursache sein.

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EXETER. Für den Hausarzt stellt sich bei einem Patienten mit unspezifischen Darmbeschwerden immer wieder die Frage, ob er von einer weiterführenden Diagnostik profitieren würde. Ernste Erkrankungen wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) oder ein kolorektales Karzinom (KRK) lassen sich nämlich durch eine Koloskopie mit Biopsie mit hoher Sicherheit ausschließen. Andererseits haben die Symptome gerade bei jüngeren Patienten sehr häufig nur harmlose Ursachen.

CED und KRK gehen beide mit Blutungen aus dem Darm, abdominellen Schmerzen, Diarrhö, Gewichtsverlust und Anämie einher. Ein Team um Dr. Sally A. Stapley von der University of Exeter Medical School in England haben daher für beide Krankheiten ein gemeinsames Instrument zur Abschätzung der Risiken entwickelt.

Register-Daten von 11.239 Patienten

Die Forscher haben dazu Daten von knapp 700 britischen Arztpraxen aus einem großen britischen Register analysiert. In der Datenbank fanden sich Angaben zu 11.239 Patienten mit CED oder KRK, deren Darmerkrankung im Alter von 18 bis 49 Jahren diagnostiziert worden war. Jedem Patienten wurden drei nach Alter, Geschlecht und behandelnder Praxis passende Kontrollpersonen zugeordnet. Sodann wurde geschaut, welche klinischen Befunde und Symptome im Jahr vor der Diagnose mit der CED oder dem KRK korrelierten.

Zehn Parameter waren mit den Erkrankungen signifikant assoziiert:

» rektale Blutung,

» veränderte Stuhlgewohnheiten,

» Diarrhö,

» erhöhte Entzündungsmarker,

» Thrombozytose,

» abdominelle Schmerzen,

» niedriges mittleres Zellvolumen (MCV),

» niedriges Hämoglobin,

» erhöhte Leukozytenzahl und

» erhöhte Leberenzyme.

Jeweils für sich genommen deuteten die Parameter nur auf eine geringe Wahrscheinlichkeit für eine CED oder ein KRK: Nur für die unklare Blutung und die veränderten Stuhlgewohnheiten ergab sich ein knapp über ein Prozent erhöhtes Risiko, bei allen anderen Parametern war es niedriger. Ein deutlich erhöhtes Risiko ergab sich, wenn bestimmte Parameter zusammenfielen. Beispielsweise resultierte die Kombination "veränderte Stuhlgewohnheiten plus niedriges Hämoglobin" in einem positiven prädiktiven Wert (PPV) von 9,6 Prozent. Bei "Diarrhö plus erhöhte Plättchenzahl" betrug der PPV 6,9 Prozent, bei "rektaler Blutung plus erhöhte Plättchen" 5,3 Prozent, bei "rektaler Blutung plus erhöhte Entzündungsmarker" 5,2 Prozent.

Bedauerlicherweise standen bei den Patienten keine Ergebnisse eines Calprotectin-Tests oder einer Stuhluntersuchung auf okkultes Blut zur Verfügung, so die Autoren. Fäkales Calprotectin sei ein wichtiger Hinweis bei der Differenzierung zwischen entzündlichen und nicht entzündlichen Darmerkrankungen. Allerdings sei der Parameter nicht geeignet, beispielsweise eine funktionelle Darmerkrankung wie einen Reizdarm von Darmkrebs abzugrenzen.

Diagnose-Tool für Zweifelsfälle

Das Tool von Stapley und ihrem Team ist in einem öffentlich zugänglichen Originalartikel einzusehen (Br J Gen Pract 2017; online 27 März). Die Forscher empfehlen es für alle Patienten unter 50 mit Dickdarmbeschwerden, bei denen die Diagnose nach körperlicher und entsprechender Blutuntersuchung (großes Blutbild, Entzündungsmarker) nicht unmittelbar auf der Hand liegt. "Diejenigen mit einem KRK/CED-Risiko von über drei Prozent sollten dringend einer Koloskopie zugeführt werden" raten die Experten.

Bei einem PPV zwischen ein und drei Prozent sei die Calprotectin-Konzentration zu bestimmen, da die CED hier die wahrscheinlichere Diagnose darstelle und durch diese Untersuchung ausgeschlossen werden könne. Der Cut-off für eine entzündliche Erkrankung liege bei 50 μg/g.

Ein Risiko unter ein Prozent könne eine abwartende Strategie mit fortgesetzter Beobachtung nach sich ziehen.

Für Frauen mit unklaren Darmbeschwerden empfehlen die Forscher, zusätzlich ein Ovarialkarzinom abzuklären; auch hierzu gibt es Praxisempfehlungen im Internet (BMJ 2009; 339: b2998). Ergeben sich zudem Anhaltspunkte für eine Zöliakie, sei auch diese abzuklären.

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