Beißkeil und gleich Arznei - das ist bei Epilepsie heute tabu

BONN (cin). Wegen zunehmender Lebenserwartung der Menschen werden Kollegen in Zukunft vermutlich häufiger mit Krampfanfällen in der Praxis zu tun haben als bisher. Erleidet ein Patient einen Anfall, soll zu Beginn kein Medikament gegeben und auch kein Beißkeil benutzt werden.

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Krampfanfälle treten erstmalig oft bei Kindern und Jugendlichen oder bei über 60 jährigen auf. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden also immer mehr ältere Patienten betroffen sein. "Schon heute ist ein Drittel der Epileptiker älter als 65 Jahre", sagte Professor Christian E. Elger von der Uni Bonn aus Anlaß der "Neurowoche 2006" in Mannheim, die morgen beginnt. Kollegen sollten deshalb bei alten Menschen mit plötzlicher Verwirrtheit oder Apoplexie-Symptomen auch an einen Krampfanfall denken.

"Krampft ein Patient, sollte auf Arzneien zunächst verzichtet werden", so Elger zur "Ärzte Zeitung". Ein Anfall kann entgegen weit verbreiteter Ansicht dadurch nicht beendet werden, und die meisten Anfälle hören von selbst auf. Verfärbt sich die Haut livide, sollte eine Beatmungsmaske mit 10 l/min Sauerstoff vor Mund und Nase gehalten werden, sagte Elger.

Ein Benzodiazepin bereitzuhalten, ist dann sinnvoll, wenn es selten innerhalb von fünf Minuten zum erneuten Anfall kommt. Elger empfiehlt 2,5 mg Lorazepam oral, um einen dritten Anfall zu verhindern. Die Tablette kann einfach vor die Zahnreihe gelegt oder in die Backentasche geschoben werden. Krampft der Patient erneut, kann die Dosis verdoppelt oder i.v. Diazepam (10 mg) injiziert werden.

Nach einem Krampfanfall sind Betroffene häufig unterzuckert. Das sei meist nicht die Ursache, sondern Folge des Anfalls, so Elger. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, empfiehlt er daher bei neu aufgetretenen Krampfanfällen eine Diagnostik beim Neurologen.

Infos zur Neurowoche gibt es unter www.dgn2006.de

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