Beträchtlicher Zusatznutzen für Rilpirivin

Zwei neue IQWiG-Bewertungen für Präparate gegen HIV werfen Fragen auf: Denn während Rilpirivin als Monopräparat positiv bewertet wird, fällt ein Kombipräparat mit dem Wirkstoff aus formalen Gründen durch.

Veröffentlicht:
HI-Virus: Neuer Wirkstoff dagegen einmal mit Zusatznutzen - und einmal nicht.

HI-Virus: Neuer Wirkstoff dagegen einmal mit Zusatznutzen - und einmal nicht.

© Sebastian Schreiter

NEU-ISENBURG (eis). Zwei Präparate, im Wesentlichen der gleiche Wirkstoff, aber der Nutzen wird unterschiedlich bewertet.

Das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht in einer frühen Bewertung bei dem Rilpivirin-Monopräparat Edurant® (Janssen) zur Therapie bei HIV-Infektion einen beträchtlichen Zusatznutzen (zumindest bei Männern).

Bei der Fixkombination von Gilead Sciences (Eviplera® mit Rilpivirin, Tenofovir, Disoproxil, Emtricitabin) lasse sich aber anhand des eingereichten Dossiers kein Zusatznutzen ableiten - "und das, obwohl beiden pharmazeutischen Unternehmen dieselben Studien zur Verfügung standen", so das IQWiG in einer Mitteilung.

Der Hersteller der Kombination habe die Daten nicht angemessen ausgewertet.

An dem beträchtlichen Zusatznutzen der Wirksubstanz hat das Institut keinen Zweifel. Insgesamt wurden die Ergebnisse aus drei Studien analysiert. Darin wurde zwar immer nur die Einzelsubstanz getestet.

Dennoch seien die Ergebnisse auch für die Bewertung des Kombipräparats relevant, betont das IQWIG. "Denn die Dosierung von Rilpivirin, Emtricitabin und Tenofovir, die in diesen Studien verabreicht wurde, entspricht exakt der Dosierung in der Fixkombination."

In beiden eingereichten Dossiers fehlten zwar Daten zum patientenrelevanten Endpunkt "AIDS-Erkrankungen oder -Tod", so das Institut. Der gewählte Surrogatparameter "Viruslast" sei aber valide und reiche aus.

Denn Patienten, bei denen die Zahl der Viren anhaltend unter die Nachweisgrenze gedrückt wird, haben ein verringertes Erkrankungs- oder Sterberisiko. In allen drei Studien habe sich bei der Viruslast ein signifikanter Unterschied zugunsten von Rilpivirin gezeigt.

Das IQWiG wirft nun Gilead Sciences vor, die generell in einem Dossier geforderten Subgruppenanalysen (nach Alter, Geschlecht, Krankheitsschwere etc.) nicht vorgenommen zu haben; Daten dazu habe es gegeben. Zudem sei eine Studie mit relevanten Informationen aus dem Dossier ausgeschlossen worden.

"Was bei der Bewertung von Rilpivirin ins Auge sticht, ist die höchst unterschiedliche Qualität der beiden Dossiers - und das bei praktisch identischer Datenbasis", so IQWiG-Leiter Professor Jürgen Windeler in der Mitteilung.

Gilead Sciences will die formalen Einwände jetzt in dem anschließenden Stellungnahmeverfahren mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) adressieren, um die Anerkennung des Zusatznutzens zu erreichen.

Eine Entscheidung wird Anfang Juli erwartet. Das Unternehmen kritisiert zudem, dass für die Formulierung als Einzeltablette - mit einem kompletten antiretroviralen Regime - aus formellen Gründen kein Zusatznutzen festgestellt wurde.

Die vereinfachte Therapie führe zu erbesserter Adhärenz und reduziere letztlich Morbidität und Mortalität.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Im alten Praxisverwaltungssystem kennen Arzt, Ärztin und Team jeden Kniff. Nach dem Wechsel will vieles neu gelernt sein. Auf die Dauer kann es sich dennoch lohnen, sich für ein neues, modernes System zu entscheiden, wenn der Wechsel gut vorbereitet ist.

© kozirsky / stock.adobe.com

Kollegen-Tipps zum PVS-Umstieg

Praxisverwaltungssystem erfolgreich wechseln: Auf diese Punkte kommt es an