Rheuma

Blick auf geballte Faust hilft bei Rheuma-Diagnose

WIESBADEN (hub). Die Therapie von Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) hat deutliche Fortschritte gemacht. Kranke mit stark deformierten Händen werden in der Praxis immer seltener. Der Grund: Die RA-Diagnose erfolgt früher, die Therapie beginnt zügiger und sie wird bei Bedarf schneller eskaliert.

Veröffentlicht: 16.04.2007, 08:02 Uhr

"Hit hart and early" ist seit etwa zehn Jahren das Prinzip der RA-Therapie. Denn startet die Therapie in den ersten drei Monaten nach Beginn der Symptome, sind die Chancen am größten, die Patienten in eine Remission zu bringen und Gelenkdestruktionen zu verhindern. "Wir sprechen daher vom Window of Opportunity", sagte Dr. Reinhard Hein aus Nienburg beim Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Entscheidend für den Nutzen dieses Zeitfensters sind die Verdachtsdiagnose durch den Hausarzt und die schnelle Vorstellung beim Rheumatologen. Morgensteifigkeit von mehr als einer Stunde, drei oder mehr geschwollene Gelenke mit symmetrischer Verteilung und erhöhte BSG- oder CRP-Werte sind die Kriterien einer Verdachtsdiagnose auf RA, erinnerte Hein.

Für die Blickdiagnose gab der niedergelassene Rheumatologe den Kollegen einen Tipp: "Schauen Sie nicht nur auf die ausgestreckte Hand, lassen Sie den Patienten auch die Faust schließen." Zeichnen sich zwischen den Fingergrundgelenken nicht deutlich Berge und Täler ab, zeige das Gelenkschwellungen an.

Für die Differenzialdiagnose wichtig sei das Muster des Gelenkbefalls. Sind nicht Fingergrund- und Fingerendgelenke, sondern primär die Fingerendgelenke betroffen, liegt meist eine Heberden-Arthrose vor - oder eine Psoriasis-Arthritis. "Psoriatische Hautveränderungen sind oft versteckt. Es lohnt daher immer, ein Blick hinter die Ohren, auf den Nabel und die Analfalte zu werfen", so Hein.

"Bei RA-Verdacht schnell zum Rheumatologen ist der Schlüssel zum Therapie-Erfolg", betonte Hein. Denn jeder dritte RA-Patient hat bereits ein Jahr nach dem Auftreten der ersten Symptome Gelenkerosionen. Und nach drei Jahren sind es bereits neun von zehn Patienten.

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