Infektionen weltweit

Coronavirus 2019-nCoV ist in Europa angelangt

Das Coronavirus 2019-nCoV ist in Europa angekommen. Es wurde bei drei Patienten in Frankreich nachgewiesen. Weltweit gibt es bisher außerhalb von China rund 30 bestätigte Infektionen mit 2019-nCoV.

Veröffentlicht: 26.01.2020, 11:20 Uhr
Coronavirus 2019-nCoV ist in Europa angelangt

Frankreichs Gesundheitsministerin Agnès Buzyn: „Wir müssen eine Epidemie behandeln wie einen Flächenbrand.“

© dpa / Alain Jocard / AFP POOL

Peking. Trotz drastischer Gegenmaßnahmen nach dem Ausbruch der neuen Lungenkrankheit in China gibt es immer mehr Todesfälle in der Volksrepublik. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg inzwischen auf 56, wie die Nationale Gesundheitsbehörde des Landes am Sonntag mitteilte. Demnach haben sich 1975 Menschen in China mit dem Coronavirus 2019-nCoV angesteckt.

Weltweit kommen nach bisherigen Informationen rund 30 bestätigte Fälle hinzu – darunter drei Patienten in Frankreich, wobei es sich um die ersten bekanntgewordenen Erkrankungen in Europa handelt. In Australien wurden bis Samstag vier Fälle bestätigt. Infektionen wurden bislang auch aus den USA, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan gemeldet.

Drei Infizierte in Frankreich

Die drei 2019-nCoV-Infektionen in Frankreich wurden bereits am Freitagabend nachgewiesen. Die Patienten sind in Krankenhäusern in Quarantäne. Sie seien offenbar nicht schwer erkrankt, hieß es am Samstag. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat wegen der Lungenkrankheit behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte am Samstag bei einer Pressekonferenz. Einer von ihnen habe noch etwas Fieber. Der 31-jährige Mann und seine 30 Jahre alte Frau waren demnach am 18. Januar von einem Aufenthalt in Wuhan in Frankreich angekommen.

Auch dem dritten Patienten in Frankreich, der in einer Klinik in Bordeaux behandelt wird, gehe es soweit gut, sagte der Bürgermeister der südwestfranzösischen Stadt, Nicolas Florian, am Samstag. Der 48-jährige Franzose chinesischer Herkunft sei im Weingeschäft tätig und reise zwischen Frankreich und China hin und her, präzisierte der Politiker. In Bordeaux wurden aufgrund des Gesundheitsrisikos die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr an diesem Sonntag abgesagt.

Die Regierung werde alles unternehmen, um eine Ausbreitung des Erregers einzudämmen, sagte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn. „Wir müssen eine Epidemie behandeln wie einen Flächenbrand.“

„Fälle kamen nicht unerwartet“

Für die EU-Präventionsbehörde ECDC kamen die Fälle nicht unerwartet. „Zu diesem Zeitpunkt ist es wahrscheinlich, dass es mehr importierte Fälle in Europa geben wird“, teilte die Behörde mit. Auch wenn viele Details zum Virus noch unbekannt seien, hätten die europäischen Länder die Kapazitäten, um einen Ausbruch direkt nach der Entdeckung von Fällen zu verhindern.

Der Präsident der Robert Koch-Instituts hat die globale Gefahr durch das neue Coronavirus 2019-nCoV relativiert. „Außerhalb Chinas gibt es bisher keine großen Infektionsketten“, sagte Lothar Wieler am Freitagabend im „ZDF heute journal“. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der dadurch verursachten Erkrankung noch nicht genau beurteilen. „Wir haben keine vollständigen Informationen“, sagte Wieler.

Die weltweiten Vorsichtsmaßnahmen begründete er unter anderem damit, dass der neue Erreger dem SARS-Virus genetisch sehr ähnlich sei und über die Atemwege verbreitet werde. An SARS (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) waren 2002/2003 etwa 800 Menschen gestorben. „Die Schwere, die Krankheitslast, der Grippe ist schwerer“, sagte Wieler und verwies darauf, dass die Grippe jedes Jahr viele Todesopfer fordert. In der Saison 2017/2018 waren in Deutschland etwa 25 000 Menschen an Influenza gestorben.

Zwei neue Hospitals in Schnellbauweise

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping berief am Samstag in Peking ein Krisentreffen ein. Alle Ebenen von Partei und Regierung müssten dem Kampf gegen das Coronavirus höchste Priorität einräumen, sagte er laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Provinzhauptstadt von Hubei, die Millionenmetropole Wuhan, ist besonders stark vom Coronavirus betroffen: Dort war der Erreger vor wenigen Wochen auf Menschen übergesprungen – vermutlich auf einem Tiermarkt. Wie Staatsmedien am Sonntag berichteten, sollen in der Stadt 24 allgemeine Krankenhäuser nun zusätzliche Betten für Patienten bereitstellen. Wuhan hatte zuvor bereits im Eiltempo mit dem Bau von zwei neuen Krankenhäusern begonnen, die insgesamt eine Kapazität von 2300 Betten haben sollen. Das erste Hospital in Schnellbauweise soll am Montag in einer Woche erste Patienten aufnehmen, das zweite zwei Tage später.

Die Krankenhäuser der Stadt sind offenbar völlig überfordert. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden Patienten zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt.

Aus anderen Teilen Chinas wurden mehr als 1680 Ärzte und Pfleger nach Wuhan entsandt. Auch wurden 14 000 Schutzanzüge bereitgestellt. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt, Ausfallstraßen gesperrt. Von Sonntag an wird auch der gewöhnliche Autoverkehr in den großen Stadtbezirken Wuhans gestoppt.

Inzwischen wurden mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen Chinas weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. (dpa)

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