Fördert der Weihnachtstrubel Herzinfarkte?

„Das Fest“ unter der Lupe von Herz- und Erholungsforschern

Weihnachten – ein Fest der Extreme: Die einen schöpfen aus der Adventszeit und den Feiertagen Kraft für das kommende Jahr, den anderen schlägt der Weihnachtstrubel auf Stimmung und Herz.

Von Dr. Marlinde Lehmann Veröffentlicht: 22.12.2018, 12:01 Uhr
„Das Fest“ unter der Lupe von Herz- und Erholungsforschern

Stress und Ärger, Freude und Erholung: Die Weihnachtszeit bietet von allem etwas.

© JenkoAtaman - stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Pünktlich zur Weihnachtszeit sind sie auch in diesem Jahr wieder da: Vorschläge und Appelle, wie wir trotz Last-Minute-Einkäufe und trotz des Verzehrs der fetten Weihnachtsgans keinen Schaden an Leib und Seele nehmen mögen. Ebenso Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen, die uns zum Schmunzeln, durchaus aber auch zum Nachdenken bringen, ein Kopfschütteln, aber auch ein zustimmendes Nicken entlocken können.

Gutes aus der Erholungsforschung

Die gute Nachricht vor Weihnachten kommt in diesem Jahr aus der Erholungsforschung, und zwar aus einer Studie mit dem Titel (verkürzt): „All I want for Christmas is recovery“.

Allem Stress zum Trotz steigt danach die positive Stimmung derjenigen, die sich auf Weihnachten freuen, schon in der Adventszeit kontinuierlich, meldet die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs). In der Studie hatten 145 Berufstätige zwischen Dezember 2016 und März 2017 – jeweils freitags und montags – standardisierte Fragebögen ausgefüllt (Work & Stress, 32(4), 313–333). Berücksichtigt waren dabei etwa Fragen zu Erholung, zu Wohlbefinden, zu unerledigten Aufgaben am Ende der Arbeitswoche und zu unerledigten Aufgaben aus dem Privatleben. Die Befragten gaben ebenfalls wöchentlich an, inwieweit sie an arbeitsfreien Tagen von der Arbeit abschalten und in ihrer Freizeit entspannen konnten, erläutert die DGPs in ihrer Mitteilung. In der Vorweihnachtszeit wurde außerdem die Vorfreude auf Weihnachten erfasst.

Wenig überraschend bestätigt die Studie: Es lohnt sich, in den Weihnachtsferien bewusst von der Arbeit abzuschalten. Wer sich gut erholt und es dann auch noch schafft, die Entspannung in die Wochenenden des neuen Jahres zu übertragen, profitiert auch länger von der Erholung. „Arbeitgeber könnten die Erholungserfahrungen ihrer Angestellten zudem gezielt beeinflussen“, merkt die DGPs an. Zum Beispiel könnten Projekte so organisiert werden, dass keine Deadlines über den Jahreswechsel anstehen.

Stress – zumindest in Schweden

Eher im negativen Lichterglanz erscheint das Fest schwedischen Forschern um Moman Mohammad von der Lund University, nachdem sie Daten des schwedischen Registers SWEDEHEART unter die Lupe genommen haben.

Danach war – zwischen 1998 und 2013 – zumindest in Schweden an Weihnachten, Neujahr und zur Zeit der Sommersonnenwende die Infarktrate signifikant erhöht. Die letzte Woche im Jahr scheint in Blick auf das Risiko dabei die gefährlichste zu sein, an Heiligabend um 22 Uhr erreichte die Entwicklung ihren Höhepunkt (+37 Prozent). Die Ostertage oder große Sportereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft oder die olympischen Sommer- und Winterspielen hatten dagegen keinen Einfluss auf die Herzgesundheit (BMJ 2018; 363:k4811).

Ärger, Angst, Traurigkeit und Stress könnten Mohammad und Kollegen zufolge die Risikoerhöhung zu Weihnachten erklären, den Risikoanstieg von 20 Prozent am Neujahrstag schreiben sie vor allem dem übermäßigen Konsum von Alkohol und Speisen an Silvester, der Kälteexposition in der Nacht und dem Schlafmangel zu.

Herzinfarkte zu Weihnachten in Deutschland?

Zumindest die Deutsche Herzstiftung treibt dieses Thema um. Weniger aber die Tatsache, dass – auch an diesen Tagen – mit Infarkten zu rechen ist, sondern dass an Festtagen wie Weihnachten wohl mehr als sonst gezögert wird, bei verdächtigen Symptomen den Notruf 112 zu wählen. „Wir können aus eigener Erfahrung bestätigen, dass besonders bei längeren Feiertagsphasen wie den Weihnachtsfeiertagen häufiger Herzinfarktpatienten aufgenommen werden, die zu lange gewartet haben, bis sie den Notarzt mit dem Notruf 112 gerufen haben“, betont Professor Thomas Voigtländer, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung. „Dadurch steigt die Gefahr lebensgefährlicher Rhythmusstörungen und der Entwicklung einer bedeutsamen Herzschwäche.“ (Mitarbeit: St)

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