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Leitartikel zu Sucht im Alter

Das große Schweigen

Einsame Witwen nehmen gern mal eine "Seelenpille" mehr oder schwören auf den Schluck Melissengeist. Auch männliche Ruheständler ertränken ihre Untätigkeit nicht selten in Alkohol. Suchtprobleme alter Menschen wurden lange unterschätzt.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Alkohol-Problem? Zu entscheiden ist zwischen Fürsorge und Patienten-Autonomie.

Alkohol-Problem? Zu entscheiden ist zwischen Fürsorge und Patienten-Autonomie.

© michelangelus / fotolia.com

Natürlich kommen auch die drogenumnebelten 68er in die Jahre, längst nicht alle sind heute frei von Heroin, Kokain oder dem Ersatzstoff Methadon.

Den Hauptteil der substanzabhängigen Senioren bilden aber diejenigen, die versuchen, sich den Alltag mit Medikamenten und Alkohol erträglich zu gestalten. 34 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen zwischen 65 und 79 Jahren konsumieren einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts zufolge Alkohol in schädlicher Weise (Bundesgesundheitsbl 2013; 56: 809).

Psychotrope Medikamente dagegen sind eher eine Domäne der Frauen: Der Berliner Altersstudie zufolge nehmen etwa 25 Prozent ab einem Alter von 70 Jahren Psychopharmaka ein, allein 13 Prozent erhalten Benzodiazepine.

Oft steht am Anfang ein gegen Schlafstörungen, Angst, Depressionen oder Schmerzen verordnetes Medikament, dessen Abhängigkeitspotenzial die Patientinnen nicht einschätzen können.

Dass die Suchtproblematik selbst vor der Pflegesituation nicht haltmacht, belegen die Ergebnisse einer BMG-Studie, der zufolge etwa 14 Prozent der pflegebedürftigen Patienten ein Medikamenten- oder Alkoholproblem haben.

Das Pflegepersonal muss erst lernen, mit älteren substanzabhängigen Menschen adäquat umzugehen ...

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