Direkt zum Inhaltsbereich

Der Begriff Prä-Diabetes führt auf die falsche Fährte, sagen Spezialisten

KAPSTADT (gwa). Die WHO und die International Diabetes Federation (IDF) haben die Empfehlungen zur Diagnostik und Diabetes-Klassifikation überarbeitet. Eine der neuen Empfehlungen: Die Bezeichnung Prä-Diabetes soll durch Intermediäre Hyperglykämie ersetzt werden. Die geltenden Glukose-Richtwerte werden beibehalten.

Veröffentlicht:

Die überarbeiteten Empfehlungen wurden jetzt in Kapstadt beim Welt-Diabetes-Kongreß vorgestellt. Ein Diskussionspunkt war, ob die Kategorien erhöhte Nüchtern-Plasmaglukose (impaired fasting glucose, IFG) und gestörte Glukosetoleranz (impaired glucose tolerance, IGT) beibehalten werden sollen. Und ob sie wirklich von so großer praktischer Bedeutung etwa für die Bestimmung des individuellen Diabetes- oder KHK-Risiko sind, wie bisher angenommen. Dr. Stephen Colagiuri aus Sydney in Australien, Mitglied der gemeinsamen WHO- und IDF-Kommission, faßte zusammen:

  • Es bleibt dabei, daß Diabetes gesichert ist, wenn der Plasmaglukose-Wert nüchtern über 126 mg / dl (über 7 mmol / l) liegt oder zwei Stunden postprandial mindestens 200 mg / dl (11,1 mmol / l) beträgt.
  • Cut-off für IFG ist eine Nüchternglukose von 110 mg / dl (6,1 mmol / l). Damit stellen sich WHO und IDF gegen die American Diabetes Association, die 100 mg / dl als Cut-off nimmt. In Deutschland gilt 110 mg / dl.
  • Die derzeit gültige WHO-Definition einer IGT (Plasmaglukose nüchtern unter 126 mg / dl; zwei Stunden postprandial über 140 mg / dl, aber unter 200 mg / dl) bleibt zunächst erhalten.
  • Der orale Glukosetoleranztest sollte als Diagnostik bei jedem mit Nüchternglukosewerten zwischen 110 und 125 mg / dl gemacht werden.
  • Die Bestimmung des HbA1c-Werts wird als ungeeignet zum Screening auf Diabetes oder eine gestörte Glukose-Toleranz angesehen.
  • Empfohlen wird die Bezeichnung Intermediäre Hyperglykämie statt Prä-Diabetes. Begründung von Colagiuri: Prä-Diabetes, synonym für IGT, stigmatisiere Betroffene unnötig. Denn anders als es der Begriff unterstelle, würden viele Betroffene keinen manifesten Diabetes entwickeln.

Außerdem sollte die klinische Bedeutung von IFG und IGT nochmal geprüft werden. Ihr Wert zur Bestimmung des individuellen Diabetes- oder KHK-Risikos sei möglicherweise überschätzt worden, so Colagiuri.

Weitere Infos und Kongreßberichte auf www.idf.org

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Nur ein Übergangszustand

Metabolisch unauffällige Adipositas wohl nicht gutartig

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neudefinition mit praktischen Konsequenzen

COPD: Schon ab einer moderaten Exazerbation in Gruppe E!

Kaum erforscht

Mit Lungenfibrose wird das Sexleben zum Problem

Lesetipps
Es muss nicht immer die ganze Packung sein. Bei Abklingen der Symptome reicht oft eine kürzere Dauer der Antibiotikatherapie.

© umang / stock.adobe.com

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann