Der diagnostische Blick - ist es eine Polyarthritis oder eine Polyarthrose?

Häufiger als die chronische Polyarthritis ist die Polyarthrose der Fingergelenke. Die differenzialdiagnostische Abgrenzung ist wichtig, denn die Prognose der Polyarthrose ist günstiger als die einer Rheumatoiden Arthritis oder einer Psoriasis-Arthropathie.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Die Angaben zur Prävalenz der Finger-Polyarthrose schwanken bei Frauen zwischen 20 und 30 Prozent, bei Männern zwischen 5 und 20 Prozent. Typische Beschwerden seien anfangs Missempfindungen, Kälteempfindlichkeit und Morgensteifigkeit, schreiben Privatdozent Alexander Schuh und Dr. Wolfgang Hönle vom Klinikum Neumarkt in der "Münchner Medizinischen Wochenschrift" (36-37, 2008, 5). Die Schmerzen sind im Unterschied zu entzündlich-rheumatischen Krankheiten jedoch gering ausgeprägt oder fehlen ganz. Vielmehr stören sich die Patienten an den später auftretenden Knoten.

Schuh und Hönle beschreiben den Fall einer 60-jährigen Patientin mit zunehmender Deformierung der Langfinger. Anfangs hatte sie Schmerzen in den Fingermittel- und Fingerendgelenken; diese seien jedoch in den vergangenen Monaten rückläufig gewesen. Dagegen konnte sie die Finger immer schlechter bewegen. Die Rheumaserologie war unauffällig. Röntgenaufnahmen beider Hände ergaben arthrotische Veränderungen mit verschmälerten Gelenkspalten der Fingermittelgelenke und destruierten Fingerendgelenken.

Im Röntgenbild sichtbar werden Verschmälerungen der Gelenkspalten an den Fingermittelgelenken.

Im Röntgenbild sichtbar werden Verschmälerungen der Gelenkspalten an den Fingermittelgelenken.

© Fotos: A. Schuh

Unterschieden werden Erkrankungen der Endgelenke (Heberdenarthrose), der Mittelgelenke (Bouchardarthrose) sowie des Daumensattelgelenks (Rizarthrose). Heberdenarthrose sowie die Kombination von Heberden- und Bouchardarthrose machen zusammen etwa 70 Prozent der Interphalangeal-Arthrosen aus. Isolierte Bouchard- und Rizarthrosen sind selten. Nur fünf Prozent der Heberden- und Bouchardarthrosen verliefen destruierend, so die Neumarkter Orthopäden.

Die konservative Therapie besteht in Wechselbädern, analgetisch-antiphlogistischer Behandlung sowie der Elektrotherapie. Hilft das nicht, können Operationen nötig sein, wobei das Abtragen von Osteophyten oder die chirurgische Behandlung von Zysten meist nicht erfolgreich sei, so Schuh und Hönle. Vielmehr seien dann Arthrodesen angezeigt. Kritisch äußern sich die Orthopäden zum Kunstgelenkersatz. Dies sei zwar mit großer subjektiver Zufriedenheit der Patienten verbunden, jedoch seien die Lockerungs- und Revisionsraten hoch.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Weniger Schmerzen

Orthese bei Kniearthrose könnte hilfreich sein

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3, 17–19]

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt

Gesetzliche Unfallversicherung

Arbeitsunfall: Was bei der Schmerzversorgung gilt

Frauenärztin und Aufklärerin auf Instagram

Dr. Annika Schauer: Gynfluencerin und Wies’n-Kellnerin

Lesetipps
Ärztin im Gespräch mit einem Patienten

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Tipps für den Reha-Antrag

Vorsorge oder Reha: Was es für die Genehmigung durch die Kostenträger braucht