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Desogestrel-Pille funktioniert auch bei verspäteter Einnahme

MÜNCHEN (bkr). Hochdosiertes Desogestrel ist das einzige Gestagen-Kontrazeptivum, das den Eisprung unterdrückt. Diese Gestagen-Pille darf daher nun im Gegensatz zu herkömmlichen Präparaten dieser Art mit Genehmigung der Europäischen Zulassungsbehörde auch noch mit bis zu zwölfstündiger Verspätung eingenommen werden.

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Orale Kontrazeptiva auf Östrogen-Gestagen-Basis sind zwar hochwirksam, können aber unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Brustspannen auslösen. Für Frauen, bei denen solche unerwünschten Wirkungen auftreten, sowie für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko bieten sich reine Gestagen-Präparate an.

Die klassischen Vertreter dieser sogenannten Minipillen wirken vor allem über eine Verdickung des Zervixschleims. Weil dieser Effekt aber nur über 27 Stunden erhalten bleibt, müssen die Pillen jeden Tag um die gleiche Zeit eingenommen werden, erläuterte Dr. Jürgen Schmidt von Organon International in Ridgewood in den USA bei einer Veranstaltung in München.

Eine Ausnahme ist das Präparat Cerazette®, das pro Tablette 75 Mikrogramm Desogestrel enthält. Desogestrel ist ein hochselektives Gestagen, das im Vergleich zu anderen Gestagenen aufgrund praktisch fehlender androgener Effekte so hoch dosiert werden kann, daß die Ovulation gehemmt wird.

Dieser, den klassischen Östrogen-Gestagen-Pillen ähnliche Wirkmechanismus bietet zusätzliche Sicherheit. So ergab eine aktuelle Studie, daß der kontrazeptive Schutz bei einer gelegentlich um zwölf Stunden verspäteten Einnahme nicht beeinträchtigt wird. Die europäische Arzneimittelzulassungsbehörde hat das Zwölf-Stunden-Zeitfenster für das Desogestrel-Kontrazeptivum jetzt auch offiziell bestätigt.

Damit wird nun die Neueinstellung oder Umstellung von Frauen mit Östrogen-bedingten Nebenwirkungen unter einer Kombipille oder im natürlichen Menstruationszyklus noch problemloser. Wie die Hamburger Gynäkologin Dr. Anneliese Schwenkhagen berichtet hat, verringerten sich in einer Anwendungsbeobachtung bei etwa 80 Prozent der Frauen unter der Desogestrel-Pille Beschwerden wie Brustspannen, Übelkeit, Ödeme oder Dysmenorrhoe.

Auch Frauen mit einer menstruellen Migräne profitieren von der Umstellung auf ein reines Gestagenpräparat wie Desogestrel, ergänzte der Gynäkologe Professor Hans-Joachim Ahrendt aus Magdeburg.

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