Milchmädchenrechnung

Deutsche Pneumologen feuern gegen E-Zigaretten-Studie

E-Zigaretten bieten keinen „sanften Ausstieg“ aus der Sucht, so die DGP. Das Dampfen kann zwar helfen, temporär auf Tabakprodukte zu verzichten – es führt aber in neue Abhängigkeit. Die langfristigen Folgen: unklar.

Veröffentlicht: 14.02.2019, 14:07 Uhr
Deutsche Pneumologen feuern gegen E-Zigaretten-Studie

Weg vom einen, hin zum anderen? Lungenärzte kritisieren einen vermeintlich sinnvollen Umstieg von Zigarette zur E-Alternative.

© Knut Wiarda / stock.adobe.com

BERLIN. Deutsche Lungenfachärzte kritisieren eine Studie im New England Journal of Medicine (NEJM) massiv (doi: 10.1056/NEJMoa1808779). Diese kommt zu dem Ergebnis, dass E-Zigaretten beim Rauchausstieg erfolgreicher sind als Nikotinersatzprodukte wie Kaugummis oder Pflaster. Das sei eine Milchmädchenrechnung, so die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in einer Mitteilung.

Schließlich blieben in der Studie acht von zehn Probanden nach einem Jahr bei der E-Zigarette – nicht einmal jeder zehnte benutzte dann aber noch Kaugummis oder Pflaster. So führe der Konsum von E-Zigaretten zu einer neuen Abhängigkeit. „Wer E-Zigarette raucht, ist keineswegs abstinent – er ersetzt lediglich die eine Abhängigkeit durch eine andere“, kommentiert Prof. Stefan Andreas die NEJM-Studie für die DGP.

Langzeitstudien fehlen

Der Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen kritisiert, dass es noch keine Langzeitstudien zur elektronischen Zigarette gibt und der Umstieg deshalb keineswegs als bessere Alternative gesehen werden könne. “Es hat ja auch über 50 Jahre gedauert, die Folgen des Tabakrauchens zu untersuchen“.

In Tierversuche schädigten auch E-Zigaretten die Bronchien und Lungenbläschen, so die DGP ( doi: 10.1056/NEHMe1816406). Eine schwedische Studie kam 2017 zu dem Ergebnis, dass E-Kippen mit Nikotin die Gefäße versteifen und Blutdruck sowie Pulsfrequenz ansteigen lassen.

Andere Studien demonstrierten, dass eine Raucher-Entwöhnung mit E-Zigaretten die Chancen, mit dem Rauchen aufzuhören, sogar verringern kann, schreibt die DGP. Viele Raucher kehrten nach ihrem E-Zigarettenausflug folglich wieder zur klassischen Fluppe zurück.

Neue Marketing-Strategie der Tabakkonzerne?

„Wir müssen realisieren, dass die Tabakkonzerne ihren Markt durch die E-Zigarette erweitert haben, um eine größere Zielgruppe an sich zu binden“, erklärt Andreas weiter. „Schließlich hat die Industrie kein Interesse daran, ihren Absatz durch eine erfolgreiche Rauchentwöhnung zu verringern“.

Das Thema E-Zigaretten und gesundheitliche Folgen wird nächsten Monat auch ein Thema beim DGP-Kongress in München sein. (ajo)

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