Direkt zum Inhaltsbereich

Diagnose einer HIV-Infektion oft erst bei Symptomen

Immer noch wird auch in Deutschland bei vielen HIV-Infizierten die Virusinfektion erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung diagnostiziert.

Von Adela Žatecky Veröffentlicht:
Ein Patient berät sich mit seiner Ärztin über eine HIV-Therapie. Viele Infizierte kommen sehr spät zum Arzt.

Ein Patient berät sich mit seiner Ärztin über eine HIV-Therapie. Viele Infizierte kommen sehr spät zum Arzt.

© Foto: pa

Dass eine Infektion mit dem Aids-Erreger HIV bei vielen nicht früher entdeckt wird, hat Folgen: Die Prognose ist deutlich verschlechtert, und das Risiko für therapieassoziierte Diarrhöen ist erhöht. Wie Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn beim 1. Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen Aids-Kongress (SÖDAK 2009) in St. Gallen in der Schweiz berichtete, weist nach wie vor etwa ein Drittel der HIV-Infizierten in Deutschland bei der Erstdiagnose bereits eine symptomatische Erkrankung auf - also CDC-Stadium B oder Stadium C. Dieser Anteil habe sich in den vergangenen Jahren kaum verändert, so Rockstroh auf einem Satellitensymposium von Bristol-Myers Squibb.

Dabei ist eine späte Diagnose auch mit einer schlechteren Prognose assoziiert: In einer aktuellen Auswertung der Daten von 387 gestorbenen HIV-Infizierten war bei einem Viertel auch die für eine effektive Therapie zu späte Diagnose die Ursache für den fatalen Verlauf.

Diese Situation gab auch den Ausschlag für das Projekt "HIV in Europe", aus dem eine Liste von acht Indikator-Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für eine HIV-Infektion assoziiert sind, hervorgegangen ist:

  • sexuell übertragene Krankheiten,
  • maligne Lymphome, unabhängig vom Subtyp,
  • zervikale oder anale Dysplasien und Krebserkrankungen,
  • Herpes zoster bei Personen unter 65 Jahren,
  • Hepatitis B oder C, akut oder chronisch, unabhängig vom Diagnose-Zeitpunkt,
  • aktuelle Mononukleose- ähnliche Erkrankung,
  • Leukozytopenie oder Thrombozytopenie unklarer Genese,
  • seborrhoische Dermatitis.

Bei all diesen Erkrankungen sollte den Betroffenen zum HIV-Test geraten werden, so die Empfehlung des Expertengremiums. Wird eine HIV-Infektion diagnostiziert, dann sei bei allen Betroffenen mit einer CD4-Zellzahl unter 350 Zellen pro Mikroliter Blut eine antiretrovirale Therapie indiziert, so Rockstroh. Gerade bei Patienten mit verspäteten Diagnosen ist das Risiko für therapieassoziierte Diarrhöen erhöht.

Wie eine Subgruppenauswertung der CASTLE-Studie gezeigt hat, profitieren Patienten mit fortgeschrittenem Immundefekt bei Ersttherapie überproportional von einem Atazanavir-haltigen Therapieregime, da damit Diarrhöen seltener sind als unter anderen Proteasehemmern.

Lesen Sie dazu auch: Fast jeder dritte HIV-Infizierte hat auch HCV Jeder Zweite fühlt sich vom Hausarzt gut betreut Lesen Sie dazu auch (für Fachkreise): Hoffnung auf Elimination von HIV nicht aufgegeben! Darunavir-Spiegel im Blut sinken nur langsam

Mehr zum Thema

Infektionsschutz

RKI hat Ratgeber zu HIV-Infektion/AIDS aktualisiert

Präexpositionsprophylaxe

HIV-PrEP: Diese Möglichkeiten gibt es

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Lesetipps