Pädiatrie

Diakonie schenkt Kindern "Urlaub von der Armut"

HALLE (ddp.vwd). Voller Vorfreude zählt der zehnjährige Patrick aus Halle-Neustadt die Tage bis zu seiner Abreise in ein Feriencamp am Rande des Flämings bei Coswig. Eine Woche wird er mit gleichaltrigen Jungen und Mädchen Urlaub machen. Vor den Schulferien sah es noch so aus, als ob der Junge wieder einmal zu Hause im zwölfgeschossigen Haus der Plattenbausiedlung den Sommer verbringen müßte. Denn die Haushaltskasse seiner Familie ist knapp.

Veröffentlicht: 04.08.2006, 08:00 Uhr

"Wir sind froh, daß wir noch ein Dach über den Kopf haben", erzählt Mutter Martina. Seit 1995 ist sie arbeitslos, nachdem sie ihren Job als Köchin in einem Baubetrieb verlor, der bankrott ging. Vater Andreas ist seine Anstellung als Schlosser vor vier Jahren losgeworden, weil sein Arbeitgeber ebenfalls Konkurs anmelden mußte.

Als "Hartz IV"-Empfänger sind der Familie eigenen Angaben zufolge zuletzt etwa 150 Euro monatlich zum Leben geblieben. Etwas mehr sei es nun geworden, da der Vater seit rund einem Monat als Hilfsarbeiter auf dem Bau unter Vertrag steht. Trotzdem: "Ohne Hilfe wäre das Zeltlager für Patrick nicht drin gewesen", sagt die Mutter.

Die häusliche Situation ist dem Zehnjährigen schon vertraut: "Wir sind pleite", sagt der Junge. Daß er nun doch noch in die Ferien fahren kann, verdankt Patrick einem Spendenaufruf der Diakonie Mitteldeutschland. Zu Beginn der Schulferien hatte der Wohlfahrtsverband eine Aktion ins Leben gerufen, die Kindern wie Patrick einen "Urlaub von der Armut" gönnen soll.

Unter dem Kennwort "Urlaub schenken" wurde ein Spendenkonto eingerichtet, das bis Ende August offen sein wird, sagt der Verbandssprecher, Frieder Weigmann. Patricks Eltern, die auch kein Geld für Familienausflüge in den Zoo oder ins Kino übrig haben, mußten keinen Cent für die Ferienfahrt dazu bezahlen.

Die Sommerreisen werden zwar unter dem Dach der Evangelischen Kirche organisiert, doch sei eine Konfessionszugehörigkeit bei der Vergabe der Reiseplätze nicht wichtig, betont Weigmann.

Die Fahrten werden in Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgerichtet und von Sozialarbeitern begleitet. Sie seien pädagogisch auf die Bedürfnisse von Kindern aus sozial- und einkommensschwachen Familien zugeschnitten.

"Im Vordergrund steht die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder, daß sie gemeinsam unbeschwerte Tage erleben können, raus aus ihren Armutsalltag kommen und auftanken können", sagt der Sprecher. Die Spendenaktion soll zudem auf die Mittellosigkeit vieler Menschen aufmerksam machen.

"Allein in Halle sind etwa 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren von Armut betroffen", berichtet Weigmann. "Kinder aus armen Familien haben ein eigenes Leben in Armut vor sich", sagt Weigmann aus Erfahrung. Heute säßen in der Schuldnerberatung des Wohlfahrtsverbandes oft diejenigen, deren Eltern schon vor 15 Jahren dort vorgesprochen hätten.

Weitere Infos im Internet unter www.diakonie-mitteldeutschland.de

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