Adipositas-Neigung

Dicke Mütter haben auch oft dicke Babys

Kinder adipöser Eltern neigen ebenfalls oft dazu, dick und damit auch Diabetiker zu werden. Diese Neigung lässt sich möglicherweise bereits anhand der Nabelschnur ablesen, wie Forscher herausgefunden haben.

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BOSTON. Kinder adipöser Eltern haben eine verstärkte Neigung dick und damit auch Diabetiker zu werden. Viele Faktoren sind als Ursachen in Diskussion, vor allem die Genetik, das Stoffwechselmilieu in utero und der Lebensstil.

Um mehr über die pränatale Programmierung der Zellen zu erfahren, untersuchte ein Team um Dr. Kristin Boyle von der University of Colorado School of Medicine mesenchymale Stammzellen aus gespendeten Nabelschnüren - 14 von Kindern adipöser Mütter (A-Zellen), 15 von Kindern normalgewichtiger Mütter (N-Zellen).

Keine der Mütter hatte Diabetes oder Gestationsdiabetes, die HbA1c-Werte waren ähnlich.

Unterschiede beim Fettanteil

Die Stammzellen wurden im Labor dazu gebracht, sich zu gestreiften Muskel- oder weißen Fettzellen auszudifferenzieren. Dabei wurde der Frage nachgegangen, ob die Gewichtssituation der Mütter Auswirkungen auf die Differenzierung und die Stoffwechselaktivität der Zellen hat.

Die Forscher wurden fündig: Zu Beginn hatten zwar alle Stammzellen den gleichen Fettanteil. Bei der Ausreifung zu Fettzellen akkumulierten die A-Zellen aber im Vergleich zu den N-Zellen mehr Fett und generierten mehr Fettzellmarker.

Dies deute darauf hin, dass die A-Zellen eine höhere Neigung haben, sich zu Fettzellen zu differenzieren als die N-Zellen, so Boyle beim Kongress der American Diabetes Association in Boston.

Zudem korrelierte die Fettansammlung in den Zellen mit der Fettmasse der Babys bei der Geburt. Die starken Fettsammler stammten also von den Babys mit dem meisten Körperfett, was eine Erklärung für die Neigung zum "Babyspeck" bei der Geburt sein könnte.

Wurden die Stammzellen dazu gebracht, sich zu Muskelzellen auszudifferenzieren, gab es bei der Differenzierungsneigung zwischen A- und N-Zellen keine Unterschiede.

Weitere Forschung nötig

Allerdings war die Fähigkeit, Fett zu oxidieren, bei den A-Zellen geringer und sie akkumulierten ebenfalls mehr Fett. Unklar sei noch, ob diese Zellen Fett nur schlechter verwerten können oder auch vermehrt aufnehmen, sagte Boyle.

Im Mittel hatten differenzierte A-Zellen, egal, ob zu Muskel- oder Fettzelle ausgereift, einen 30 Prozent höheren Fettgehalt als N-Zellen.

Die Forscher gehen aufgrund bisheriger Erkenntnisse davon aus, dass die beobachteten Unterschiede zwischen den Stammzellen durch intrauterine und nicht durch genetische Faktoren verursacht wurden.

Die Details dieser metabolischen Abweichungen und ihrer Ursachen, auch im Hinblick auf Insulinresistenz und den Stoffwechsel im späteren Leben der Kinder, müssten nun weiter erforscht werden, kündigte Boyle an.

Daher werden die Kinder - geplant ist auch ein größeres Kollektiv - nachbeobachtet. Es werden nun Marker in den Stammzellen gesucht, mit denen sich der Verlauf vorhersagen lässt und die eventuell sogar eine Option für Interventionen in utero aufzeigen. (slp)

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