Infarkte

Dicke sind nicht per se gefährdeter

Immer mehr Menschen sind übergewichtig. Bluthochdruck, Diabetes und Dyslipidämien sind die Folgen. Ein hoher BMI per se erhöht allerdings das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko nicht.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht: 25.09.2013, 05:02 Uhr
Ob üppige Pfunde riskant für Herz und Hirn sind, hängt von der Stoffwechsellage ab.

Ob üppige Pfunde riskant für Herz und Hirn sind, hängt von der Stoffwechsellage ab.

© Tish1 / shutterstock.com

AMSTERDAM. Wer etwas zu viel auf den Rippen hat, hat nicht zwangsläufig ein höheres Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko als ein schlanker Mensch.

Wenn man metabolisch gesund ist, ist das Risiko sogar niedriger als das eines normalgewichtigen Menschen, dem ein Bluthochdruck, eine gestörte Glukosetoleranz oder erhöhte Cholesterinwerte zusetzen.

Schwerer wiegt offenbar vielmehr, ob man metabolisch gesund oder ungesund ist - dieser Zusammenhang wurde in einer Studie an insgesamt 261.489 jungen zeugungsfähigen dänischen Frauen (Durchschnittsalter: 30,5 Jahre) untersucht.

Die Ergebnisse stellte Dr. Michelle Schmiegelow vom Gentofte Hospital Hellerup in Dänemark auf dem ESC-Kongress 2013 in Amsterdam vor.

Mit Bluthochdruck & Co. steigt Risiko

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Die Studienautoren teilten die Frauen in vier Gruppen ein: normalgewichtige Frauen (BMI: 18,5 bis , 25 kg/m2) mit keiner metabolischen Erkrankung, normalgewichtige Frauen mit mindestens einer metabolischen Erkrankung (Bluthochdruck, gestörter Glukosemetabolismus, Dyslipidämie); übergewichtige Frauen (BMI = 25 kg/m2) mit keiner metabolischen Erkrankung und übergewichtige Frauen mit mindestens einer metabolischen Erkrankung.

Nach einem mittleren Follow-up von 5,5 Jahren hatten die übergewichtigen, aber metabolisch gesunden Frauen kein höheres Risiko als die schlanken, metabolisch gesunden Frauen.

Wenn die beleibteren Frauen allerdings an einer metabolische Erkrankung litten, war ihr Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko viermal höher als das der schlanken, metabolisch gesunden. Das der schlanken, aber metabolisch ungesunden Frauen war fast doppelt so hoch.

"Das heißt, dass Übergewicht an sich bei jungen Frauen nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert ist", erklärte Schmiegelow. Adipositas ist allerdings einer der treibenden Auslöser für Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämien etc.

Stoffwechsel ist entscheidend

Es ist also der metabolische Gesundheitszustand, auf dem der Zusammenhang zwischen Übergewicht und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko beruht.

Dahingehend müsse man Übergewicht auch als kardiovaskulären Risikofaktor interpretieren, schlussfolgerte die dänische Wissenschaftlerin.

Dies ließe für junge übergewichtige, gesunde Frauen noch die Chance, ihr Risiko für metabolische Erkrankungen und damit auch ihr Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko zu verringern, wenn sie ihren Lebensstil frühzeitig änderten.

Auch für Professor Heinz Drexel aus Feldkirch in Österreich ist klar: "Der BMI darf nicht für sich alleine stehen."

Als Maßeinheit für das kardiovaskuläre Risiko sei der Bauchumfang auch besser geeignet als der BMI. Denn auch ein fitter Mensch kann einen erhöhten BMI haben.

Bekanntlich wiegt Muskelmasse ja mehr als Fett. "Deshalb sollte jeder auch seinen Bauchumfang kennen", appellierte Drexler bei der Kardiologen-Tagung in Amsterdam. Denn Übergewicht sei nicht gleich Übergewicht, es ergebe vielmehr ein komplexes Bild.

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