Vererbbarkeit der Lebensspanne

Die Gene verraten wohl mehr über die Lebenserwartung als gedacht

Regelmäßiger Sport, ausgewogene Ernährung, viel Schlaf – all das sind modifizierbare Faktoren, die uns zu einem gesunden und langen Leben verhelfen. Doch die Gene scheinen tatsächlich einen größeren Anteil an der potenziellen Lebenserwartung zu haben als gedacht.

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Länger und gesünder leben, das wollen die meisten Menschen. Doch die Genetik setzt uns biologische Grenzen.

Länger und gesünder leben, das wollen die meisten Menschen. Doch die Genetik setzt uns biologische Grenzen.

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Etwa 50 Prozent der Unterschiede des Sterbealters zwischen Menschen kann anhand des Genoms erklärt werden. So lautet das Ergebnis einer Modellierungsstudie (Science 2026; online 29. Januar).

Größerer Anteil als vermutet

Bisherige Studien gingen von einem genetischen Anteil von etwa 20 bis 25 Prozent aus. Bei den dabei untersuchten Zwillingskohorten wurden allerdings potenzielle Störfaktoren nicht herausgerechnet, betonen die Forschenden. So gebe es keine Angaben zum Grund des Todes der Teilnehmenden.

Das Team unterscheidet deswegen zwischen intrinsischen und extrinsischen Todesursachen:

  • „Intrinsisch“ meint körperliche Prozesse wie genetische Mutationen oder der physiologische Abbau im Alter.
  • „Extrinsisch“ umfasst neben Unfällen und Infektionskrankheiten auch zum Beispiel Tötungen oder Umweltgefahren. Diese äußeren Todesursachen würden die Rolle der Genetik bei der Vererbbarkeit der Lebensspanne verzerren, berichtet das Team.
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Genetische Faktoren seien somit tatsächlich für etwa 50 Prozent der Variabilität der Lebensspanne verantwortlich, wenn man extrinsische Todesursachen herausrechnet. Das zeige sich anhand von Modellierungen dreier Studien aus Skandinavien, die die Lebenserwartung bei Zwillingen untersuchte. Dabei wurden knapp 14.000 Geschwisterpaare analysiert, die zwischen 1870 und 1935 geboren wurden und mindestens 15 Jahre alt wurden.

Die Ergebnisse wurden mit einer US-amerikanischen Kohorte von Geschwistern Hundertjähriger kontrolliert. In allen Kohorten zeige sich, dass die Unterschiede in der Lebenserwartung nach Herausrechnung extrinsischer Todesursachen zu etwa 50 Prozent durch die Gene erklärt werden können.

Umgang mit Gesundheit weiterhin relevant

Eine Verdopplung von 20 bis 25 Prozent auf 50 Prozent gegenüber früheren Schätzungen hält Dr. Chiara Herzog, Arbeitsgruppenleiterin am Department für Zwillingsforschung und Genetische Epidemiologie, Fakultät für Life Sciences und Medizin, King‘s College London, für plausibel: „Die Modellierungen der Forscher [...] zeigen überzeugend, dass frühere Studien die Vererblichkeit der Lebensspanne unterschätzt haben. Die berichteten Werte einer Vererblichkeit der Lebensspanne von rund 50 Prozent sind zudem auch mit Ergebnissen aus Tiermodellen vereinbar“, berichtet sie gegenüber dem Science Media Center (SMC).

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Herzog betont aber auch, dass die „Vererblichkeit eine populationsbasierte Kenngröße ist und keine direkten Rückschlüsse auf einzelne Personen erlaubt. Auf individueller Ebene spielen Verhaltensfaktoren [...] weiterhin eine zentrale Rolle.“

Da genetische Faktoren nicht zu ändern sind, „können wir allein die Umweltfaktoren und vor allem unser Verhalten ändern“, teilt Professor Björn Schumacher, Leiter des Instituts für Genomstabilität in Alterung und Erkrankung und Wissenschaftlicher Direktor des CECAD Exzellenzcluster Aging and Aging-Associated Diseases, Universität zu Köln, gegenüber dem SMC mit. (mke)

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