Krebs in Speiseröhre und Mund

Die Wurst macht's

Wer sich häufig an der Wursttheke bedient, hat ein erhöhtes Risiko für Krebs in Mundhöhle, Rachen oder Ösophagus. Allerdings kommt es auf die Art der Wurst an.

Veröffentlicht:
Bilderrätsel: Wo sind die Fleischbällchen?

Bilderrätsel: Wo sind die Fleischbällchen?

© gresei / shutterstock.com

POTSDAM (EO). Weder Frischfleisch von Rind, Schwein oder Lamm noch das darin reichlich enthaltene Häm-Eisen lassen das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) in Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf oder Speiseröhre steigen, ebenso wenig wie Geflügel oder Fisch.

Diese Erkenntnisse beruhen auf Daten von knapp 350.000 Patienten der EPIC-Studie* (Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2012; online 2. Oktober). Die europäische Multicenterstudie erforscht den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs.

An einem Spinaliom des oberen Verdauungstrakts waren innerhalb von zwölf Jahren 680 Teilnehmer erkrankt. Beinahe die Hälfte der Tumoren war in Mundhöhle oder Pharynx lokalisiert, 30 Prozent im Kehlkopf und 22 Prozent in der Speiseröhre.

Die Forscher hatten die Kohorte je nach konsumierter Fleischmenge in fünf Gruppen unterteilt: Das höchste Karzinomrisiko hatten diejenigen, die die meisten Fleischerzeugnisse zu sich nahmen (25 bis 200 g/1000 kcal); bei ihnen war das Risiko um 40 Prozent erhöht gegenüber der Gruppe mit dem niedrigsten Konsum (maximal 5 g/1000 kcal).

Kochschinken und Fleischbällchen waren dabei deutlich riskanter als Räucherschinken. Liebhaber von Geflügelfleisch konnten dagegen eher mit einem reduzierten Krebsrisiko rechnen, wenn auch nur in Bezug auf die Speiseröhre (das relative Risiko lag bei 0,86).

Tabakrauch und Wurst - böse Kombination?

Einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis hatte das Rauchen. Raucher mit dem höchsten Konsum an Fleischprodukten waren am meisten gefährdet. Bei ihnen war das Risiko für ein Plattenepithel-Ca im oberen Verdauungstrakt um mehr als das Fünffache erhöht. Ob viel oder wenig gequalmt wurde, war unerheblich.

Warum Wurst und Co. häufiger zu den genannten Krebsarten führen sollen als Kotelett oder Steak (nicht mariniert, wohlgemerkt), bleibt ungeklärt. Als Krebsauslöser im Fleisch wurden bisher vor allem heterozyklische Amine (HCA) oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) beschuldigt.

Diese entstehen bei starker Erhitzung; sie finden sich jedoch sowohl in rotem als auch in verarbeitetem Fleisch. Häm-Eisen fördert die Bildung schädlicher Fettsäureradikale und Nitrosamine; es ist vor allem in Frischfleisch enthalten.

Dagegen enthält verarbeitetes Fleisch selbst die potenziell krebserregenden N-Nitroso-Verbindungen. Diese scheinen insbesondere bei der Entstehung von Ösophaguskrebs bedeutsam zu sein.

Die Studienautoren um Dr. Annika Steffen vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke hegen noch einen weiteren Verdacht: Möglicherweise wirken die im Tabakrauch enthaltenen krebsauslösenden Substanzen synergistisch mit den Nitrosaminen in verarbeitetem Fleisch.

*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition

Das könnte Sie auch interessieren
Hochrisikopatienten richtig antikoagulieren

COVID-19 & Thrombose

Hochrisikopatienten richtig antikoagulieren

Anzeige
Management tumorassoziierter VTE

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Leeres Klassenzimmer: Der Distanzunterricht und Ausnahmezustand macht Kindern psychisch und physisch zunehmend zu schaffen, mahnen Pädiater.

Folgen des Corona-Lockdowns

Kinderärzte: Schulen und Kitas umgehend öffnen!

Digital, statt per Papier und Telefon: Die vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung entwickelte Software„Sormas“ (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) soll den Austausch unter den Behörden im Kampf gegen die Pandemie erleichtern. (Motiv mit Fotomodell)

Kontaktnachverfolgung

Corona-Software fasst langsam Fuß