Direkt zum Inhaltsbereich

Doping-Kontrollsystem in Deutschland außer Kontrolle?

NEU-ISENBURG (Smi). Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages will sich in seiner nächsten Sitzung am 31. Januar ausschließlich mit dem Problem der verpassten Dopingkontrollen beschäftigen. Damit reagieren die Parlamentarier auf einen TV-Bericht, der erhebliche Schwächen des Kontrollsystems aufgedeckt hat.

Veröffentlicht:

Die Sendung ARD-Exclusiv hatte am Mittwochabend unter dem Titel "Mission: sauberer Sport" berichtet, dass im vergangenen Jahr etwa 400 Dopingkontrollen in Deutschland nicht stattfinden konnten, weil die Athleten zum Zeitpunkt der unangemeldeten Tests nicht aufzufinden waren. Dabei müssen sie in einer von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) verwalteten Datenbank jederzeit angeben, wo sie sich aufhalten und auf welche Weise sie erreichbar sind. Unangemeldete Kontrollen sind täglich zwischen sieben und 23 Uhr möglich, an sieben Tagen in der Woche.

Der Geschäftsführer der NADA, Roland Augustin, bestritt die hohe Zahl verpasster Kontrollen. Der Bericht gehe an der Realität vorbei. Außerdem beklagte er die mangelnde finanzielle Ausstattung seiner Agentur, die mit acht fest angestellten Mitarbeitern etwa 9000 Spitzensportler kontrolliert. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stellte er sich auch auf die Seite der sauberen Athleten: "Wir versuchen den Spagat zwischen dem Versuch, schwarze Schafe aus dem Verkehr zu ziehen, und einer Orwell‘schen Überwachung."

Dagegen versprach der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, Schwachstellen im Dopingkontrollsystem aufzudecken und zügig zu beheben. "Es gilt aufzuklären, ob und warum es fehlende Meldungen von nicht angetroffenen Athleten gibt und ob rechtliche Vorbewertungen vorgenommen wurden."

In dem ARD-Beitrag wurden mehrere Methoden aufgezeigt, mit denen sich Dopingsünder der Überführung durch die Kontrolleure entziehen:

So schafften es einige, ihre Urinproben mit einem Enzym zu versetzen, das die Proteine und somit jeden Hinweis auf eine mögliche Dopingsubstanz zerstöre. Ein Körnchen reiche, um die Probe unbrauchbar zu machen. Andere Athleten brächten Fremdurin in die eigene Blase ein, den sie dann in Anwesenheit des Kontrolleurs ausscheiden. Bei einer Variante dieser Methode führen sich Frauen Urinbeutelchen in die Scheide ein und ritzen sie auf. Schließlich gebe es auch Sportler, die mehrfach hintereinander bei Kontrollen unauffindbar seien, um dann beim dritten oder vierten Versuch - inzwischen ohne Risiko - Urin abzugeben.

Lesen Sie dazu auch: Im Bundestag: UN-Konvention gegen Doping

Mehr zum Thema

Cochrane-Update

Körperliches Training hilft wohl doch kaum bei Hüftarthrose

Krafttraining bis zur Erschöpfung

„Adonis-Komplex“: Was Ärzte beim Verdacht auf Muskeldysmorphie tun können

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Schmerzen im Unterleib: HWI werden künftig nach Krankheitszeichen klassifiziert.

© Science Photo Library

Neuklassifikation

Unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfektion? Das war einmal!

Jemand richtet eine Lupe auf die Abbildung eines menschlichen Herzes.

© valiantsin suprunovich / Getty Images

Erkrankung des Herzmuskels

Magnetokardiographie zur Kardiomyopathie-Diagnostik?