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Doppelschlag gegen HIV und Leukämie

BERLIN (ars). Weitere Details zu dem Patienten, der seit einer Knochenmark-Transplantation vor zwei Jahren frei von HIV ist, haben jetzt die behandelnden Ärzte der Berliner Charité bekannt gegeben.

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Doppelschlag gegen HIV und Leukämie.

Doppelschlag gegen HIV und Leukämie.

© Foto: Sebastian kaulitzkiwww.fotolia.de

Der HIV-positive Amerikaner, der in Berlin lebt und heute 42 Jahre alt ist, war an Leukämie erkrankt. Dabei sei der Blutkrebs keine direkte Folge der Infektion gewesen, die sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Aids manifestiert hatte, so die Berliner Ärzte. Vor drei Jahren wandte er sich zur Behandlung an die Arbeitsgruppe um Professor Eckhard Thiel. Die Stammzellen des Patienten wiesen eine HLA-Konstellation auf, die bei weißen Amerikanern und Europäern relativ häufig vorkommt, nämlich bei einem von tausend Menschen.

Unter den 60 Spendern, die nach ihrem HLA-Muster für eine Knochenmark-Transplantation in Frage kamen, suchten die Ärzte nun nach einem, der die Mutation Delta 32 im Gen für den Rezeptor CCR5 aufwies. Diese Genveränderung kommt bei ungefähr einem Prozent der deutschen Bevölkerung vor. Sie bewirkt, dass der CCR5-Rezeptor auf der Zelloberfläche nicht exprimiert wird. Da er aber der Weg ist, über den die HI-Viren in die Zellen eindringen, bedeutet sein Fehlen: Die Träger der Genmutation sind gegen eine Infektion geschützt, zumal wenn sie die Veranlagung von beiden Eltern geerbt haben. Das hatten Forscher vor wenigen Jahren festgestellt.

Die Mediziner der Berliner Charité fanden nun tatsächlich unter den möglichen Knochenmarkspendern einen, bei dem die günstige CCR5-Mutation vorlag.

Ihn hätten seine Kollegen und er dann in der Hoffnung ausgesucht, dass nach der Übertragung der Stammzellen die HIV-Infektion des Patienten verschwindet, berichtete Dr. Gero Hütter, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Teams. Und tatsächlich: Bis heute, mehr als 20 Monate nach der Transplantation, sind keine HI-Viren bei dem Patienten nachweisbar (wie berichtet).

Mutierte Stammzellen verliehen Resistenz.

Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, als die medikamentöse Behandlung nach der Transplantation beendet worden war. Der Grund: Die Ärzte hatten befürchtet, die Arzneimittel könnten eine Abstoßungsreaktion begünstigen. Freilich wurde der Patient ständig medizinisch überwacht, um bei einem erneuten Auftreten des Virus sofort wieder mit der Medikation anfangen zu können. Normalerweise führe das Absetzen der Wirkstoffe innerhalb weniger Wochen zum Ausbrechen von Aids.

Was die Chancen einer neuen Therapie betrifft, wiegeln die Ärzte allerdings eher ab. Die erfolgreiche Behandlung des Patienten sei zwar ein interessanter Fall. "Wer jetzt jedoch Millionen von HIV-Infizierten Hoffnung auf Heilung verspricht, handelt unseriös", erklärte der Prodekan Professor Rudolf Tauber. Die Ergebnisse untermauerten aber die Schlüsselrolle des Gens CCR5 bei der Übertragung der Erreger und ihrer Ausbreitung im Körper. Arzneimittel, die über den CCR5-Rezeptor wirken, seien bereits zugelassen, weitere würden erprobt.

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