Adipositas

Drei von vier Adipösen haben Hautprobleme

Stark übergewichtige Menschen leiden oft an Hautkrankheiten wie Psoriasis, Erysipel und Intertrigo. Außer spezifischen Therapien gegen die Dermatosen helfen oft Gewichtsreduktion und Bewegung, wodurch sich oft auch die Hautprobleme lindern lassen.

Von Helga Brettschneider Veröffentlicht: 27.01.2009, 05:00 Uhr
Drei von vier Adipösen haben Hautprobleme

Verdickte Hautbereiche mit graubrauner Hyperpigmentierung sind typisch für Acanthosis nigricans.

© Foto: Prof. Walter Krause, Uni Marburg

Nicht weniger als 75 von 100 adipösen Patienten hatten in einer schottischen Analyse dermatologische Auffälligkeiten, wie Professor Walter Krause von der Universität Marburg berichtet (Hautnah Dermatologie 45, 2008, 249). Im Vordergrund standen vor allem Juckreiz und trockene Haut. Aber auch plaqueförmige Psoriasis vulgaris tritt oft zusammen mit Adipositas auf (BMI von 30 und mehr), und die Erkrankung verläuft bei Adipösen vergleichsweise schwerer. So waren in einer Analyse von über 130 000 Psoriasis-Patienten diejenigen mit schwerer Schuppenflechte signifikant öfter adipös also solche mit einer leichteren Psoriasis. Dem entsprach eine ebenfalls erhöhte Rate an Fettstoffwechsel-Störungen und Diabetes. "Therapeutische Strategien gegen Psoriasis mit antientzündlichen Wirkungen wie Methotrexat oder TNFα scheinen bei Adipositas besonders günstig zu sein", berichtet Krause.

Bis zu 74 Prozent der Fettleibigen entwickeln zudem eine Acanthosis nigricans. Sie ist meist mit einer deutlichen Insulinresistenz verknüpft. Dermatologisch kommt es zu einer Hyperplasie der Hornzellen. Für die Pathogenese sind offenbar Wachstumsfaktoren wie der Insulin-like Growth Factor (IGF-1) bedeutsam - Keratinozyten exprimieren IGF-1-Rezeptoren. Optisch fallen verdickte Hautbereiche mit graubrauner Hyperpigmentierung auf. Sie bilden sich bevorzugt in den Beugen der Haut, etwa in Achseln, Leisten und Nacken. Eine Therapie ist mit Vitamin-D3-Analoga möglich.

In denselben Hautbereichen, in denen Acanthosis nigricans auftritt, werden bei adipösen Personen oft kleine, hautfarbene, gestielte Fibrome beobachtet. Auch hier werden Wachstumsfaktoren als pathogenetische Faktoren diskutiert.

Auch Hautinfektionen sollten bei Adipösen nicht unterschätzt werden. So ist Adipositas ein wichtiger Risikofaktor für die Wundrose. Ursache des Erysipels etwa sind meist hämolysierende Streptokokken. In Betracht kommen zudem Haemophilus influenzae und Staphylococcus aureus, inklusive Methicillin-resistenter Stämme. Zudem ist schon lange bekannt, dass Übergewichtige oft von einer Intertrigo geplagt werden. Die roten, brennenden oder juckenden Erosionen entstehen dabei einerseits, weil die Haut aneinander reibt. Das passiert gerne in den dicken Falten zum Beispiel der Fettschürze, aber auch in der Analfalte, zwischen den Oberschenkeln und unter den Brüsten. Sekundär pfropft sich dann oft eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen, etwa Candida, obenauf.

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