Ernährung

Eiweiß lässt das Leberfett schmelzen

Bei Typ-2-Diabetikern reduziert eine Kost mit viel Eiweiß bereits binnen sechs Wochen das Leberfett um bis zu 48 Prozent. Dabei ist es offenbar egal, ob die Kost mehr auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basiert, so eine aktuelle Studie.

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Protein-reiche Lebensmittel: Eiweißreiche Ernährung beugt auch dem Muskelschwund im Alter vor.

Protein-reiche Lebensmittel: Eiweißreiche Ernährung beugt auch dem Muskelschwund im Alter vor.

© anaumenko / fotolia.com

POTSDAM-REHBRÜCKE. Die nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) ist in Europa und den USA die häufigste chronische Lebererkrankung. "Unbehandelt ist die Fettleber ein Schrittmacher des Typ-2-Diabetes und kann in eine Leberzirrhose übergehen", betont Professor Andreas F. H. Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE). Ein Team mit Forschern des Instituts hat dabei die Effekte eiweißreicher Diäten auf den Leberfettgehalt untersucht (Gastroenterology 2016; online 17. Oktober).

Analysiert wurde dabei die Wirkung von zwei eiweißreichen Diäten auf den Stoffwechsel von 37 Typ-2-Diabetikern im Alter von 49 bis 78 Jahre, berichtet das DIfE in einer Mitteilung. Die meisten Patienten litten dabei auch an einer Fettleber. Beide verwendete Diäten hatten einen Eiweißanteil von 30 Prozent an der Energiezufuhr, der Anteil der Kohlenhydrate lag bei 40 und der Fette bei 30 Prozent. Die betreuenden Ernährungsberater achteten zudem in beiden Gruppen auf eine gleichmäßige Aufnahme der gesättigten, einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Vor der Ernährungsumstellung hatte der Eiweißanteil in der Kost der Studienteilnehmer bei durchschnittlich 17 Prozent gelegen, der Anteil der Kohlenhydrate bei 42 Prozent und der Fettanteil bei 41 Prozent.

Bei den beiden Kostformen unterschieden sich nur die Eiweißquellen, das heißt, sie waren entweder hauptsächlich pflanzlichen oder tierischen Ursprungs. Damit das Gewicht der Teilnehmer während der Untersuchung stabil blieb und nicht eine eventuelle Gewichtsabnahme das Ergebnis beeinflussen konnte, stimmten die Forscher den Energiegehalt der Diät individuell auf jede Person ab.

Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Kostformen zugeteilt. Hauptquelle für das pflanzliche Eiweiß waren vom Institut für Getreideverarbeitung (IGV) speziell für die Studie angefertigte Lebensmittel, die mit Erbsenprotein angereichert waren, zum Beispiel Nudeln oder Brot. Dagegen nutzten die Studienteilnehmer, die viel tierisches Eiweiß aufnehmen sollten, magere Milchprodukte sowie weißes Fleisch und Fisch als Eiweißquellen.

"Wie unsere Ergebnisse zeigen, profitierten alle Studienteilnehmer von der eiweißreichen Kost, egal ob sie auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basierte. Negative Effekte auf die Nierenfunktion oder den Zuckerstoffwechsel beobachteten wir nicht", wird die Erstautorin der Studie, Mariya Markova in der Mitteilung zitiert.

"Das Leberfett nahm deutlich ab, bei der Hälfte der Studienteilnehmer sogar um mehr als 50 Prozent. Damit verbunden beobachteten wir günstige Veränderungen des Leber- und Fettstoffwechsels, eine verbesserte Insulinempfindlichkeit der Teilnehmer und zudem eine deutliche Abnahme des Botenstoffs fibroblast growth factor 21 im Blut", ergänzt Olga Pivovarova, die ebenfalls federführend zur aktuellen Studie beigetragen hat. Die Funktion des von der Leber und Muskulatur ins Blut abgegebenen Botenstoffs sei noch nicht hinreichend geklärt und die Ergebnisse daher nicht ganz leicht zu interpretieren, so die Wissenschaftlerin weiter. Bisherige Untersuchungen wiesen aber darauf hin, dass das Hormon verschiedene Organe und das Fettgewebe beeinflusse. Besonders bei übergewichtigen Menschen fänden sich hohe Konzentrationen im Blut. Nicht zuletzt ließen andere, aber auch die eigenen Studienergebnisse annehmen, dass die Hormonkonzentration auch von der Art und Menge der verzehrten Makronähstoffe abhängt, ergänzt Studienärztin Silke Hornemann.

"Letztlich sind größere und längere Studien notwendig, um die zu Grunde liegenden Stoffwechselmechanismen besser zu verstehen, um die Langzeiteffekte zu untersuchen und um zu prüfen, ob auch jüngere Patienten von der Ernährungsumstellung profitieren würden", so Pfeiffer in der Mitteilung. "Denn die beobachteten günstigen Effekte könnten auch altersabhängig sein, da die Studienteilnehmer im Schnitt das 60. Lebensjahr überschritten hatten. Sofern keine Nierenerkrankungen vorliegen, spielt eine ausreichende Eiweißversorgung besonders in dieser Altersgruppe eine wichtige Rolle, wenn man zum Beispiel an die mit dem Alter oft einhergehende Abnahme der Muskelmasse denkt", so der Mediziner weiter. Unter Berücksichtigung umweltrelevanter Aspekte sollten Verbraucher dabei bevorzugt pflanzliche Lebensmittel zur Eiweißversorgung nutzen. (eb)

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