Chirurgie

Eltern spenden Kindern Dünndarmsegmente

MÜNCHEN (nsi). An der University of Illinois in Chicago (UIC) ist ein Dünndarm-Lebendspende-Programm etabliert worden. Dort verpflanzen Ärzte schwerkranken Kindern mit Kurzdarmsyndrom auch simultan ein Leberteil plus ein Stück Dünndarm von einem gesunden Elternteil. Weltweit sind bereits 42 Dünndarm-Transplantationen nach Lebendspenden dokumentiert.

Veröffentlicht: 24.10.2006, 08:00 Uhr

Etwa tausend Mal haben Chirurgen weltweit Dünndarm transplantiert. Häufigste Indikation ist ein Kurzdarmsyndrom mit Komplikationen durch die komplett parenterale Ernährung - meist darunter auch Leberschäden. Lebendspenden von Dünndarm waren bisher sehr selten.

Inzwischen seien weltweit 42 Dünndarm-Lebendspenden dokumentiert, so Professor Enrico Benedetti von der UIC bei der Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in München. 24 der 42 Transplantationen erfolgten am UIC. Zwei Drittel der Empfänger sind Kinder.

Sechs Kinder mit Kurzdarmsyndrom und Leberdysfunktion erhielten simultan oder sequentiell ein Leberteilstück und 1,2 bis 1,3 Meter Dünndarm von Vater oder Mutter. Der Dünndarm eines Erwachsenen ist etwa vier Meter lang. Bei den sechs Doppel-Organ-Lebendspendern habe es keine Langzeitkomplikationen gegeben, berichtete Benedetti.

Die Spender hätten ihren Gesundheitszustand vor der Op wieder erreicht. In der Gesamtgruppe der Dünndarm-Lebendspender liege die Rate an Langzeitkomplikationen - etwa nicht beherrschbare Durchfälle oder unerwünschter Gewichtsverlust - bei sechs Prozent.

Auch in Deutschland gibt es Zentren, die Dünndarmtransplantationen machen. Dr. Andreas Pascher von der Charité Berlin berichtete über die Ergebnisse von 13 Dünndarm- und zwei Multiviszeraltransplantationen inklusive Dünndarm von Hirntoten. Alle Organempfänger hatten ein irreversibles Kurzdarmsyndrom mit einer Rest-Dünndarmlänge von etwa 12,5 cm.

Bei Steroid- oder OKT3-resistenten Abstoßungen wurde mit Infliximab therapiert. Die Sechs- und Zwölf-Monatsüberlebensraten der Patienten betrugen 73 und 67 Prozent: Innerhalb eines Jahres starben fünf Patienten. Zwei der zehn Überlebenden können wieder Vollzeit arbeiten und drei Teilzeit.

Fünf Jahre nach Dünndarmübertragung lebten im allgemeinen noch 50 Prozent der Patienten, so Pascher. Ärzte, die Patienten mit Kurzdarmsyndrom behandelten, sollten an die Möglichkeit einer Dünndarmtransplantation denken, wenn bei parenteraler Ernährung wiederholt schwere Komplikationen auftreten wie Kathetersepsis, Verschluß von mehr als zwei Halsvenen und eine Leberdysfunktion.

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