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Entamoeba histolytica: einzelliger Zeitzünder in der Leber

Wer nach einer Reise in die Tropen oder Subtropen mit rechtsseitigen Oberbauchschmerzen und Fieber zu seinem Arzt geht, könnte den Befund bekommen, dass sich bei ihm Amöben in der Leber festgesetzt haben.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Unbehandelt kann Entamoeba histolytica zu Zysten und Leber-Abszessen führen.

Unbehandelt kann Entamoeba histolytica zu Zysten und Leber-Abszessen führen.

© Dr. George Healy / CDC

"Amöben sind die potentesten Killerzellen in der Natur", sagt Professor Christian G. Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Entamoeba histolytica ist nicht nur der potenzielle Auslöser der Amöbenruhr mit den typischen Himbeergeleeartigen Durchfällen. Völlig unabhängig davon, ganz ohne Durchfälle und ohne dass man überhaupt Amöben im Stuhl findet, sind riesige Amöben-Leberabszesse möglich. Und zwar selbst dann, wenn die Reise etwa nach Indien oder nach Mexiko bereits ein Jahr oder länger her ist.

"Es gibt kein zeitliches Limit, wann ein Amöben-Leberabszess oder eine invasive Amöbiasis auftritt", erklärte Meyer beim MedCongress in Baden-Baden. Denn die Protozoen können in eingekapselter Form überleben, ohne dass der Infizierte etwas bemerkt. Asymptomatische Keimträger sind außerdem in der Lage, andere Personen zu infizieren, und zwar über den fäkal-oralen Übertragungsweg oder auch per analem Geschlechtsverkehr.

Beim Amöben-Leberabszess klagen die Patienten über Druckschmerzen im rechten Oberbauch, der in die laterale Thoraxwand oder die rechte Schulter ausstrahlen kann. Sie haben Fieber und die Laborwerte zeigen eine Leukozytose vergleichbar einer bakteriellen Sepsis an, die Entzündungswerte sind erhöht. Zwar sollte der Stuhl auf Amöben untersucht werden, oft sind jedoch keine nachweisbar. Der Abszess kann in die Pleura oder den Bauchraum perforieren. Daher sei der Amöben-Leberabszess einer der wenigen tropenmedizinischen Notfälle, der sofort eine stationäre Aufnahme und spezifische Therapie erforderlich macht.

Auslöser der Reisediarrhoe

• Bakterien:
• Viren:
• Tierische Einzeller:(ner)

Behandelt wird mit Metronidazol 3 x 750 mg über zehn Tage. Daran schließt sich die Darmlumensanierung mit Paromomycin (Humatin®) 3 x 500 mg für weitere zehn Tage an, um eventuell noch vorhandene verkapselte Erregerformen zu beseitigen. Die Punktion des Abszesses komme nur infrage, wenn die Perforation drohe, sagte Meyer. Eine eigene Vergleichsstudie in Vietnam mit einer rein medikamentösen Therapie und der Kombination aus Medikamenten und Leberpunktion hatte keine Unterschiede bei der Prognose der Patienten ergeben.

Insgesamt verlaufen nach Angaben des Tropenmediziners Amöben-Infektionen zu 90 Prozent symptomlos. Antikörper sind aber meist nachweisbar. Man differenziert heute Entamoeba histolytica vom apathogenen kommensalen Entamoeba dispar, der sich unter dem Mikroskop nicht von den Amöben mit invasivem Potenzial unterscheiden lässt. Nur Entamoeba histolytica sei in der Lage, in die Mukosa einzudringen und sich submukosal weiter zu verbreiten, so der Infektiologe Privatdozent Thomas Weinke auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes.

Bei jedem zehnten infizierten Patienten kann die Amöbenruhr schleichend oder plötzlich mit Fieber, Tenesmen sowie blutig-wässrigen Durchfällen beginnen. Diagnostischer Goldstandard ist nach wie vor der direkte Erregernachweis im frischen Stuhl.

In 95 Prozent der Fälle lassen sich im Serum spezifische Antikörper gegen Entamoeba histolytica nachweisen. Differenzialdiagnostisch sollte vor allem an eine Shigellen-Kolitis sowie an Escherichia coli gedacht werden. Zudem sind Verwechslungen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) möglich, denn eine Amöbenruhr verursacht ebenfalls eine endoskopisch ulzerative Darmschleimhautentzündung. In Schleimhaut-Biopsien lassen sich dann allerdings die Einzeller nachweisen, sagte Meyer. Behandelt werden Patienten mit Amöbenruhr ebenfalls mit den Substanzen Metronidazol und Paromomycin.

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