Diabetes mellitus

Epidemie: Zahl der Diabetiker steigt weltweit rasant an

Diese Zahlen sollen aufrütteln: Die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) hat ihre aktuellen Daten zur weltweiten Verbreitung von Diabetes-Erkrankungen vorgestellt. IDF-Präsident Professor Jean Claude Mbanya kennzeichnete die Entwicklung als "Epidemie, die außer Kontrolle ist" und dringend Gegenmaßnahmen erfordere.

Von Peter OverbeckPeter Overbeck Veröffentlicht: 21.10.2009, 13:13 Uhr
Weltweit nimmt die Zahl der Diabetiker rasant zu.

Weltweit nimmt die Zahl der Diabetiker rasant zu.

© Foto: pdesignwww.fotolia.de

MONTREAL. Auf dem 20. Weltkongress für Diabetes im Montreal präsentierte die IDF die mittlerweile vierte Auflage ihres "IDF-Diabetes Atlas". Er liefert, aufgeschlüsselt für weltweit 165 Länder, aktuelle Zahlen zum "Ausmaß der Diabetes-Epidemie", so Mbanya.

Im 2000 vorgestellten ersten "Diabetes-Atlas" war noch von weltweit 151 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus die Rede. Mittlerweile gehen die IDF-Experten davon aus, dass im Jahr 2010 bereits 285 Millionen Menschen auf der Welt an Diabetes erkrankt sind. Sollte sich der Trend unverändert fortsetzen, wird für das Jahr 2030 die Zahl von weltweit 435 Millionen Diabetikern prognostiziert.

IDF-Präsident Mbanya malte ein düsteres Bild. Vor allem in den sogenannten Entwicklungsländern könnte die rapide Zunahme von Diabetes-Erkrankungen wegen der damit verbundenen Kostenbelastung nach seiner Ansicht sogar zu einer ökonomischen Bedrohung werden. Momentan verursachen der Diabetes und seine Folgeerkrankungen nach IDF-Berechnungen weltweit Kosten in Höhe von mindestens 376 Milliarden US-Dollar im Gesundheitswesen. Für das Jahr 2030 werden Kosten in Höhe von 490 Milliarden US-Dollar vorausgesagt.

Entgegen einer geläufigen Meinung ist Diabetes längst keine ausschließlich auf sogenannte Wohlstandsgesellschaften beschränkte Erkrankung mehr. Im Gegenteil: Gerade in den Ländern mit aufstrebenden Ökonomien wie in Asien sind die höchsten Zunahmeraten beim Diabetes zu verzeichnen. Mit etwa 50 Millionen Betroffenen ist Indien derzeit das Land mit den meisten Diabetikern. Es folgen China (43 Millionen), die USA (27 Millionen), Russland (knapp 10 Millionen) und Brasilien (knapp 8 Millionen).

Die interaktive Karte aus dem Diabetesatlas der Internationalen Diabetes-Föderation nennt für jedes Land die absolute Zahl der Diabetiker und deren Anteil bei Erwachsenen in der Gesamtbevölkerung. www.diabetesatlas.org

Auf dem sechsten Platz rangiert dann bereits Deutschland, mit einer geschätzten Zahl von 7,5 Millionen Diabetikern unter den Einwohnern. In der erwachsenen Bevölkerung (20 bis 79 Jahre) beträgt die Diabetes-Prävalenz hierzulande im Jahr 2010 nach den IDF-Daten 12 Prozent. Die Prävalenzrate ist damit die höchste in Europa. In Island ist sie mit 2,1 Prozent am niedrigsten. Nach IDF-Angaben sind in Deutschland jährlich bei den Männern 27 585 Todesfälle und bei den Frauen 26 994 Todesfälle auf Diabetes-Erkrankungen zurückzuführen.

Gemessen am relativen Anteil der Diabetiker an der Gesamtbevölkerung nimmt Nauru mit Abstand den Spitzenplatz ein: Auf dieser pazifischen Insel ist fast jeder dritte Einwohner Diabetiker (31 Prozent). Erschreckende Zahlen kommen auch aus den Golf-Staaten: So sind etwa in den Arabischen Emiraten bereits 19 Prozent, in Saudi-Arabien 17 Prozent und in Bahrain 15 Prozent aller Einwohner an Diabetes erkrankt.

www.diabetesatlas.org

Diabetes-Daten für Deutschland

  • Bevölkerung (Alter von 20 bis 79 Jahre): 62,65 Millionen
  • Diabetes-Prävalenz: 12 Prozent
  • Zahl der Diabetiker: 7,49 Millionen
  • Todesfälle durch Diabetes (2009): bei Männern: 27 585, bei Frauen 26 994
  • Kosten im Gesundheitswesen pro Person mit Diabetes: etwa 2500 Euro
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