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US-Analyse

Epilepsierisiko nach Sepsis erhöht

Überleben Patienten eine Sepsis, ist die Gefahr epileptischer Anfälle in den folgenden Jahren vier- bis fünffach erhöht, und zwar auch dann, wenn während der Sepsis keine neurologischen Komplikationen aufgetreten sind.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Keimflut: Haben Patienten eine Sepsis überstanden, besteht offenbar eine erhöhte Gefahr für neurologische Erkrankungen.

Keimflut: Haben Patienten eine Sepsis überstanden, besteht offenbar eine erhöhte Gefahr für neurologische Erkrankungen.

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

NEW YORK. Unter einer Sepsis leidet häufig auch das Gehirn: Als Begleiteffekte der Infektion werden nicht selten epileptische Anfälle, Schlaganfälle oder eine Sepsis-assoziierte Enzephalopathie beobachtet. Möglicherweise treten jedoch auch subtilere Veränderungen auf, die zunächst nicht auffallen und bei den Überlebenden das Risiko für neurologische Erkrankungen erhöhen. So gibt es Hinweise, dass Patienten nach einer überstandenen Sepsis vermehrt an epileptischen Anfällen leiden.

Ein Team um Dr. Michael E. Reznik vom Weill Cornell Medical College in New York ist solchen Hinweisen in einer Analyse administrativer Klinikdaten aus drei US-Bundesstaaten nachgegangen (Neurology 2017; 89(14): 1476-1482). Die Neurologen schauten nach Patienten in Kalifornien, Florida und New York, die nach einer erfolgreichen Sepsisbehandlung entlassen worden waren. Sie fanden knapp 850.000 Betroffene, die zwischen 2005 und 2013 eine Sepsis überlebt und zuvor keine Epilepsiediagnosen aufgewiesen hatten.

Im Laufe von acht Jahren wurden 6,7 Prozent der ehemaligen Sepsispatienten erstmals mit einem epileptischen Anfall in ein Krankenhaus eingeliefert. Berechnungen anhand der Krankenhausdaten ergaben für die Allgemeinbevölkerung eine Inzidenz von 1,3 Prozent. Wurden Alter, Geschlecht und Ethnie berücksichtigt, war die jährliche Inzidenz im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung fünffach erhöht.

Sepsispatienten mit nachfolgenden Anfällen waren im Schnitt deutlich jünger (62 versus 70 Jahre) und hatten häufiger neurologische Komplikationen (23 versus 16 Prozent) als solche ohne Krankenhausaufenthalte durch Anfälle. Patienten mit neurologischen Begleiterscheinungen während der Sepsis erkrankten später 7,5-fach häufiger an Epilepsien als Personen in der Allgemeinbevölkerung, doch auch bei Sepsiskranken ohne dokumentierte neurologische Beschwerden traten später 4,5-fach häufiger epileptische Anfälle auf.

Die Neurologen um Reznik verglichen das Anfallsrisiko nicht nur mit dem der Allgemeinbevölkerung, sondern auch mit dem anderer Krankenhauspatienten. Wurden neben Alter und Geschlecht auch Organfunktionen oder die mechanische Beatmung als Maß für die Schwere der Erkrankung berücksichtigt, änderte sich nur wenig an dem Zusammenhang: Sepsiskranke entwickelten später 4,6-fach häufiger epileptische Anfälle als Klinikpatienten mit anderen Erkrankungen.

Schließlich verglichen die Neurologen die Anfallsinzidenz mit der einer repräsentativen Auswahl von Medicare-Patienten, also Versicherten im Alter über 65 Jahren. Dabei zeigte sich noch eine 2,7-fach erhöhte Anfallsinzidenz bei den ehemaligen Sepsispatienten, sofern Alter, Geschlecht und Ethnie berücksichtigt wurden. Dieser Wert wurde durch einen Vergleich mit der Inzidenz bei über 65-Jährigen in der Allgemeinbevölkerung bestätigt: Hier ergab sich eine 2,8-fach höhere Anfallsinzidenz in der älteren Sepsispopulation.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Anfälle zwar häufig während einer Sepsis beobachtet werden – nach Untersuchungen ist etwa jeder zehnte bis fünfte Patient betroffen –, bisher gelte eine Sepsis jedoch nicht als Risikofaktor für eine nachfolgende Epilepsie. Ihre Analyse deute jedoch darauf hin, dass eine Sepsis bei einigen Betroffenen strukturelle Schädigungen im Gehirn verursache, die das Epilepsierisiko deutlich erhöhten.

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