Erbkrankheit bedroht Herz, Hirn und Augen

Pseudoxanthome am Hals und in den Beugen deuten auf eine seltene Erbkrankheit hin: Pseudoxanthoma elasticum. Die Therapie erfolgt hauptsächlich symptomatisch.

Veröffentlicht:

Das vergröberte Hautrelief mit verstärkter Faltenbildung ist beim Pseudoxanthoma elasticum nicht nur auf die Achselhöhlen beschränkt.

Von Thomas Meißner

KÖLN. Eine seltene Erbkrankheit, die sich durch Pseudoxanthome meist am Hals und in den Beugen bemerkbar macht, bedroht zugleich das Augenlicht, Herz und Gehirn. Ein Kölner Allgemeinmediziner beschreibt den Fall einer 67-jährigen Patientin mit Pseudoxanthoma elasticum.

Die gelblichen Papeln fand Thomas Welchering aus Köln am Nacken, in den Achseln, Leisten und Kniekehlen. Das Hautrelief war vergröbert mit verstärkter Faltenbildung.

Ein weiteres Merkmal: An den Augen der Frau fanden sich angioide Streifen und Pigmentveränderungen sowie kometenschweifartige chorioretinale Atrophien. Seit Jahren bereits hatte der Visus der Patientin kontinuierlich abgenommen.

Die Diagnose eines solchen Pseudoxanthoma elasticum (PXE, Synonym: Groenblad-Strandberg-Syndrom) wird nach Hautbiopsien histologisch und elektronenmikroskopisch gesichert.

Typische Hautveränderungen mit Papeln und verdickter Haut bei einer Patientin mit Pseudoxanthoma elasticum. ©(3) Thomas Welchering

Typische Hautveränderungen mit Papeln und verdickter Haut bei einer Patientin mit Pseudoxanthoma elasticum. ©(3) Thomas Welchering

© (3) Thomas Welchering

Bluthochdruck und Apoplexie als Spätfolgen

In der Dermis findet der Pathologe korkenzieherartige, verklumpte und im histologischen Präparat stark gefärbte elastische Fasern. Dort lagern sich Kalziumapatit an andere anorganische Substanzen an, so dass sich die Fasereigenschaften verändern.

Weil auch das Gefäßsystem involviert ist, entwickeln die Patienten mit der Zeit Makroangiopathien. Folgen sind Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfälle sowie gastrointestinale Blutungen.

Das Pseudoxanthoma elasticum wird autosomal-rezessiv vererbt und tritt meist vor dem 30. Lebensjahr auf. Es soll aber auch schon Erkrankungsfälle mit erworbener PXE gegeben haben*.

Die Erkrankungsinzidenz des Pseudoxanthoma elasticum wird auf 0,5 bis 1,0 / 100 000 Einwohner pro Jahr geschätzt.

Ein weiteres Merkmal der seltenen Erbkrankheit war bei der Patientin das vergröberte Hautrelief mit verstärkter Faltenbildung in der Achselhöhle.

Welchering weist auf den Multisystemcharakter der Erkrankung hin. Es gebe bislang keine kausalen Therapiemöglichkeiten. Im Vordergrund stehe daher, Langzeitfolgen wie Erblindung, Herzinfarkt oder Schlaganfall mit symptomatischen Maßnahmen vorzubeugen, unter anderem mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure.

Schwerpunktklinik und Selbsthilfegruppe

Eine Schwerpunktklinik hat sich nach Angaben des Hausarztes in Freudenberg (Kreis Siegen-Wittgenstein) etabliert, wo auch eine Selbsthilfegruppe existiert.

*Peter Altmeyer (Hrsg.): Dermatologische Differentialdiagnose, Springer Medizin 2007; mehr Informationen zum Pseudoxanthoma elasticum gibt es im Internet auf: www.pxe-groenblad.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Symptome, Ursachen und Therapie

© Evgeniya Markina | iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Trockene Augen

Symptome, Ursachen und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Arzneimittelbasierte Wundsalben

© AndreyPopov | iStock

Optimale Wundheilung

Arzneimittelbasierte Wundsalben

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Erhöhtes Risiko für immunvermittelte Hautkrankheiten

© supawat bursuk | iStock

Übergewicht bei Kindern

Erhöhtes Risiko für immunvermittelte Hautkrankheiten

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Lesetipps
Knochen schematisch dargestellt

© crevis - stock.adobe.com

Komplikationen

Bei Diabetes mellitus auch die Knochen in den Blick nehmen

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen