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Proteine ähneln körpereigenen Strukturen / Entstehung von Autoimmunkrankheiten

DÜSSELDORF (sir). Die weitgehende Übereinstimmung körperfremder mit körpereigenen Strukturen wird als molekulares Mimikry bezeichnet. Das könnte bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen nach Infektionen bedeutsam sein. Daten dazu wurden jetzt auf der Medica präsentiert.

Ob es beim molekularen Mimikry wirklich um "Tarnung" geht oder ob die Übereinstimmungen zufällig sind, ist noch unbekannt. Immer klarer wird jedoch, dass es dabei nicht auf gleiche Aminosäuresequenzen ankommt. "Danach muss man die Datenbänke gar nicht erst durchforsten", betonte Professor André Gessner aus Erlangen. "Oft ist es vielmehr eine Ähnlichkeit der räumlichen Strukturen, die unsere Abwehrmechanismen in die Irre führt."

Um einen Kausalzusammenhang zwischen einer Infektion und der Wochen bis Jahre später auftretenden Autoimmunerkrankung sicher nachzuweisen, sind nach Angaben von Gessner vier Bedingungen zu erfüllen. Das sind ein statistisch gesicherter epidemiologischer Zusammenhang, der Nachweis von Autoantikörpern oder T-Zellen, die definierte körpereigene Strukturen, zugleich aber auch Strukturen des Erregers erkennen, sowie eine tierexperimentelle Bestätigung.

Mit einiger Evidenz sei dieser Nachweis bisher erst für vier Autoimmunerkrankungen gelungen: die chronische Arthritis nach Borrelia-burgdorferi-Infektion durch Zeckenstich (Lyme-Borreliose), das Guillain-Barré-Syndrom nach Gastroenteritis durch Campylobacter jejuni, die tropische spastische Parese durch das humane T-Zell-Leukämievirus 1 (HTLV-1) und schließlich die fokale nekrotisierende Glomerulonephritis nach Harnwegsinfektion mit E. coli.

Der Zusammenhang mit E. coli ist in einer vor wenigen Wochen veröffentlichten Studie analysiert worden: "Die Schuldigen sind hier das Bakterien-Adhäsin FimH und das von bestimmten Abwehrzellen, den neutrophilen Granulozyten, exprimierte Protein LAMP-2", so der Mikrobiologe. "Die durch ihre räumliche Ähnlichkeit ausgelöste Glomerulonephritis kann bis zur Dialysepflichtigkeit führen."

Die Erreger zu bekämpfen ist in allen vier Fällen nur anfangs sinnvoll, solange diese nachweisbar sind. "Für eine Therapie in späteren Stadien müsste man die Antikörper entfernen - hier steckt die Forschung leider noch in den Kinderschuhen."

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