Blasse Farben, dunkle Bilder

Erste Anzeichen einer MS?

Eine Optikusneuritis lässt Ophthalmologen wie auch Neurologen aufhorchen. Was steckt dahinter? Ein MRT kann dann bekanntlich weiterhelfen.

Veröffentlicht: 17.09.2015, 09:30 Uhr

BERLIN. Plötzlich schmerzt ein Auge, das bewegt wird, wenige Tage später folgt eine Sehverschlechterung: Multiple Sklerose (MS) beginnt häufig als Optikusneuritis, erinnert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld ihres Kongresses in Berlin.

Durch die Entzündung des Sehnervs "werden die Bilder dunkler, die Farben als verändert und blass empfunden", wird Professor Klaus Rüther aus Berlin, Spezialist für neuroophthalmologische Erkrankungen, in der Mitteilung zitiert. Zusammen mit Schmerzen werde dies als bedrohlich empfunden.

"Betroffene befürchten instinktiv, dass sich die Sehstörung nicht von allein bessert und gehen zum Augenarzt", so Rüther.

Durch einen Pupillen-Test lasse sich eine Optikusneuritis grob abklären. Ergibt der sogenannte Swinging-flashlight-Test, dass die Pupille im schmerzenden Auge langsamer reagiert, erhärtet dies die Verdachtsdiagnose.

Denn der "relative afferente Pupillendefekt" habe die gleiche Ursache wie die Sehstörung, so die DOG: Die Nerven-Reizleitung zum Gehirn ist beschädigt.

MS-Erkrankungsrisiko lässt sich anhand der MRT-Bilder abschätzen

Weitere Hinweise auf eine MS kann bekanntlich das MRT liefern. "Die Diagnose steht allerdings erst fest, wenn sich weitere Entzündungsherde im Gehirn zeigen oder erste neurologische Symptome auftreten", erinnert Rüther. Dies tritt binnen fünfzehn Jahren immerhin bei jedem zweiten Patienten mit Optikusneuritis ein.

Rüther: "Eine Sehnervenentzündung ist daher immer ein Grund, den Patienten auch an einen Neurologen zu überweisen."

Das MS-Erkrankungsrisiko lässt sich anhand der MRT-Bilder abschätzen. "Wenn bei dem Scan ein bis zwei Entzündungsherde auftreten, erkranken 65 Prozent der Betroffenen später an MS", erläutert der Ophthalmologe. Zeigt die erste Kernspintomografie keine Herde, beträgt die Wahrscheinlichkeit lediglich 27 Prozent.

Bei Optikusneuritis wird in der Regel mit hoch dosierten Kortison-Infusionen behandelt. Diese seien zwar nicht unbedingt notwendig, sagt der DOG-Experte.

Nach Studiendaten würden sich die Patienten nämlich auch ohne Therapie erholen. Kortison könne den Prozess jedoch beschleunigen und die Schmerzen lindern.

Um Sehschäden bei Optikusneuritis zu mindern oder rückgängig machen zu können, werden derzeit mehrere Medikamente in Studien geprüft. Dazu gehören Erythropoietin (EPO), Simvastatin sowie Anti-LINGO. Erste Ergebnisse seien noch für dieses Jahr angekündigt, so die DOG. (eb/eis)

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