Blasse Farben, dunkle Bilder

Erste Anzeichen einer MS?

Eine Optikusneuritis lässt Ophthalmologen wie auch Neurologen aufhorchen. Was steckt dahinter? Ein MRT kann dann bekanntlich weiterhelfen.

Veröffentlicht:

BERLIN. Plötzlich schmerzt ein Auge, das bewegt wird, wenige Tage später folgt eine Sehverschlechterung: Multiple Sklerose (MS) beginnt häufig als Optikusneuritis, erinnert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld ihres Kongresses in Berlin.

Durch die Entzündung des Sehnervs "werden die Bilder dunkler, die Farben als verändert und blass empfunden", wird Professor Klaus Rüther aus Berlin, Spezialist für neuroophthalmologische Erkrankungen, in der Mitteilung zitiert. Zusammen mit Schmerzen werde dies als bedrohlich empfunden.

"Betroffene befürchten instinktiv, dass sich die Sehstörung nicht von allein bessert und gehen zum Augenarzt", so Rüther.

Durch einen Pupillen-Test lasse sich eine Optikusneuritis grob abklären. Ergibt der sogenannte Swinging-flashlight-Test, dass die Pupille im schmerzenden Auge langsamer reagiert, erhärtet dies die Verdachtsdiagnose.

Denn der "relative afferente Pupillendefekt" habe die gleiche Ursache wie die Sehstörung, so die DOG: Die Nerven-Reizleitung zum Gehirn ist beschädigt.

MS-Erkrankungsrisiko lässt sich anhand der MRT-Bilder abschätzen

Weitere Hinweise auf eine MS kann bekanntlich das MRT liefern. "Die Diagnose steht allerdings erst fest, wenn sich weitere Entzündungsherde im Gehirn zeigen oder erste neurologische Symptome auftreten", erinnert Rüther. Dies tritt binnen fünfzehn Jahren immerhin bei jedem zweiten Patienten mit Optikusneuritis ein.

Rüther: "Eine Sehnervenentzündung ist daher immer ein Grund, den Patienten auch an einen Neurologen zu überweisen."

Das MS-Erkrankungsrisiko lässt sich anhand der MRT-Bilder abschätzen. "Wenn bei dem Scan ein bis zwei Entzündungsherde auftreten, erkranken 65 Prozent der Betroffenen später an MS", erläutert der Ophthalmologe. Zeigt die erste Kernspintomografie keine Herde, beträgt die Wahrscheinlichkeit lediglich 27 Prozent.

Bei Optikusneuritis wird in der Regel mit hoch dosierten Kortison-Infusionen behandelt. Diese seien zwar nicht unbedingt notwendig, sagt der DOG-Experte.

Nach Studiendaten würden sich die Patienten nämlich auch ohne Therapie erholen. Kortison könne den Prozess jedoch beschleunigen und die Schmerzen lindern.

Um Sehschäden bei Optikusneuritis zu mindern oder rückgängig machen zu können, werden derzeit mehrere Medikamente in Studien geprüft. Dazu gehören Erythropoietin (EPO), Simvastatin sowie Anti-LINGO. Erste Ergebnisse seien noch für dieses Jahr angekündigt, so die DOG. (eb/eis)

Mehr zum Thema

Augenoptik und OP-Mikroskope

Carl Zeiss Meditec steigert Umsatz

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Was aus dem Salzstreuer kommt, ist nicht egal. Salz ist nicht gleich Salz. Herz und Gefäße profitieren von einem hohen Anteil Kaliumchlorid.

© Daniel Vincek / stock.adobe.com

Review und Metaanalyse

Viel Kaliumchlorid im Salz bringt Vorteile für Herz und Gefäße

Zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und psychischen Störungen gibt es Zusammenhänge. Welche das sind, wird derzeit erforscht.

© paul_craft / stock.adobe.com

Kardio- und Neurologie

Bei frisch diagnostizierten Herzpatienten auf die Psyche achten!

Bundesweit soll es weiterhin eine Maskenpflicht in Bus, Bahn und Flugzeug geben, so sieht es der Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes vor.

© Daniel Kubirski / picture alliance

Geplante Novelle

Infektionsschutz: Kakofonie der Änderungswünsche