Direkt zum Inhaltsbereich

Herzinfarkt

Es kommt nicht auf die Uhrzeit an

Ärzte müssen bei der Behandlung von Herzinfarkt-Patienten wohl nicht berücksichtigen, zu welcher Uhrzeit der Infarkt auftrat.

Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Ob ein Herzinfarkt mitten in der Nacht oder am helllichten Tag auftritt, bestimmt nicht, wie schwer seine Folgen sind. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Deutschen Herzzentrum München (Journal Transl Med 2019; 17: 180).

Bisherige Studien, ob sich die Tageszeit auf Infarktgröße und Überlebensrate auswirkt, seien diesbezüglich widersprüchlich gewesen, so das DZHK in einer Mitteilung.

In ihrer retrospektiven Studie mit rund 1200 Patienten untersuchten die Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Hendrik Sager die Uhrzeit, zu der sich der Infarkt ereignete und ob sich diese auf die Folgen des Infarkts auswirkte. In allen untersuchten Fällen lag ein ST-Hebungsinfarkt (STEMI) vor und ein verschlossenes Koronargefäß.

Unterschiedliche Zeitfenster

Sager und sein Team teilten die Patienten zunächst in vier unterschiedliche Zeitfenster ein – je nachdem, wann die Symptome eines STEMI aufgetreten waren: 0 bis 6 Uhr, 6 bis 12 Uhr, 12 bis 18 Uhr und 18 bis 24 Uhr.

Bei allen Patienten war zunächst eine SPECT (single photon emission computed tomography) durchgeführt worden, dann eine primäre perkutane koronare Intervention (PPCI).

Die SPECT war bei allen Teilnehmern 7-14 Tage nach der PPCI wiederholt worden, um zu beurteilen, welche Bereiche des vormals nicht durchbluteten Myokards durch das Wiedereröffnen des verschlossenen Herzkranzgefäßes gerettet werden konnten.

Faktoren wurden herausgerechnet

Zudem erfassten Sager und seine Kollegen in der Studie, wie viele der Patienten nach fünf Jahren noch lebten. Hiermit konnten sie Rückschlüsse ziehen, ob die Tageszeit, zu der ein Herzinfarkt auftritt, die langfristige Prognose veränderte.

„Natürlich gibt es viele Faktoren, die bestimmen, wie schwer ein Herzinfarkt verläuft“, wird Sager in der Mitteilung zitiert. „Etwa wie lange es dauert, bis das Gefäß wiedereröffnet wird oder welches der drei Herzkranzgefäße verschlossen ist. Diese Faktoren haben wir herausgerechnet.“

Das Fazit der Wissenschaftler lautet abschließend: Es hängt nicht von der Tageszeit ab, wie ein Herzinfarkt sich langfristig auswirkt. (eb/bae)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

Strategie nach Ende der DAPT

Nach perkutaner Koronarintervention bevorzugt Clopidogrel einsetzen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren

Lesetipps
Sehr viele unterschiedliche Tabletten liegen auf einem weißen Tisch.

© DhanaStudio / Generated with AI

Damit die Behandlung anschlägt

Intensivierung bei therapieresistenter Hypertonie: Wie vorgehen?

Einzelne Bilder von Lebensmitteln die reich an Histamin sind.

© PhotoSG / stock.adobe.com

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom