Herzinfarkt

Es kommt nicht auf die Uhrzeit an

Ärzte müssen bei der Behandlung von Herzinfarkt-Patienten wohl nicht berücksichtigen, zu welcher Uhrzeit der Infarkt auftrat.

Veröffentlicht: 24.08.2019, 14:22 Uhr

MÜNCHEN. Ob ein Herzinfarkt mitten in der Nacht oder am helllichten Tag auftritt, bestimmt nicht, wie schwer seine Folgen sind. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Deutschen Herzzentrum München (Journal Transl Med 2019; 17: 180).

Bisherige Studien, ob sich die Tageszeit auf Infarktgröße und Überlebensrate auswirkt, seien diesbezüglich widersprüchlich gewesen, so das DZHK in einer Mitteilung.

In ihrer retrospektiven Studie mit rund 1200 Patienten untersuchten die Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Hendrik Sager die Uhrzeit, zu der sich der Infarkt ereignete und ob sich diese auf die Folgen des Infarkts auswirkte. In allen untersuchten Fällen lag ein ST-Hebungsinfarkt (STEMI) vor und ein verschlossenes Koronargefäß.

Unterschiedliche Zeitfenster

Sager und sein Team teilten die Patienten zunächst in vier unterschiedliche Zeitfenster ein – je nachdem, wann die Symptome eines STEMI aufgetreten waren: 0 bis 6 Uhr, 6 bis 12 Uhr, 12 bis 18 Uhr und 18 bis 24 Uhr.

Bei allen Patienten war zunächst eine SPECT (single photon emission computed tomography) durchgeführt worden, dann eine primäre perkutane koronare Intervention (PPCI).

Die SPECT war bei allen Teilnehmern 7-14 Tage nach der PPCI wiederholt worden, um zu beurteilen, welche Bereiche des vormals nicht durchbluteten Myokards durch das Wiedereröffnen des verschlossenen Herzkranzgefäßes gerettet werden konnten.

Faktoren wurden herausgerechnet

Zudem erfassten Sager und seine Kollegen in der Studie, wie viele der Patienten nach fünf Jahren noch lebten. Hiermit konnten sie Rückschlüsse ziehen, ob die Tageszeit, zu der ein Herzinfarkt auftritt, die langfristige Prognose veränderte.

„Natürlich gibt es viele Faktoren, die bestimmen, wie schwer ein Herzinfarkt verläuft“, wird Sager in der Mitteilung zitiert. „Etwa wie lange es dauert, bis das Gefäß wiedereröffnet wird oder welches der drei Herzkranzgefäße verschlossen ist. Diese Faktoren haben wir herausgerechnet.“

Das Fazit der Wissenschaftler lautet abschließend: Es hängt nicht von der Tageszeit ab, wie ein Herzinfarkt sich langfristig auswirkt. (eb/bae)

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