Infektion mit Hefepilz

Experte erwartet weitere Candida auris-Fälle

2009 wurde der Hefepilz Candida auris erstmals nachgewiesen, seither werden auch in Deutschland immer mehr Fälle erfasst. Betroffen sind allerdings bisher nur Patienten mit schwerer Grunderkrankung.

Von Christiane Gläser Veröffentlicht:
Experte erwartet weitere Candida auris-Fälle

© Shawn Lockhart/CDC

WÜRZBURG / JENA. In Deutschland werden immer mehr Fälle bekannt, in denen schwer kranke Patienten mit dem gefährlichen Hefepilz Candida auris infiziert sind (wir berichteten). "Wir wissen von insgesamt sieben Patienten, die Candida auris hatten. Davon sind fünf aus dem vergangenen Jahr", sagte Professor Oliver Kurzai vom Nationalen Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen Jena. "Bei den Patienten, von denen wir es wissen, gibt es aber keine durch die Infektion bedingten Todesfälle", sagte Kurzai.

2015 erste Fälle in Deutschland

2015 war der Hefepilz erstmals bei zwei Patienten in Deutschland gefunden worden. "Alle Fälle traten bislang in unterschiedlichen Krankenhäusern auf. Es sind soweit wir wissen Einzelfälle", so Kurzai. Die zwischen 1950 und 2002 geborenen Männer und Frauen hatten nur gemeinsam, dass sie alle schwer krank waren. "Das sind Patienten, die zum Teil mit schwersten Grunderkrankungen im Krankenhaus sind."

Der Hefepilz war 2009 in Asien erstmals nachgewiesen worden. Seitdem breitet er sich in der Welt aus. Zuletzt wurden in den USA, Großbritannien und Indien zahlreiche Erkrankungen erfasst. Kurzai geht davon aus, dass die Fallzahlen auch in Deutschland weiter steigen werden. "Das Risiko sehe ich als relativ erheblich an. Aufgrund der immer weiter zunehmenden globalen Mobilität breiten sich solche Erreger schnell aus. Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit, bis wir ihn häufiger in Deutschland sehen."

Anlass zu großer Sorge sieht der Experte nicht. "Es ist eine bedrohliche Krankheit und wir wissen nicht genau, wie wir sie behandeln müssen. Aber es ist nicht Ebola", sagte Kurzai. In Deutschland sei der Pilz, der in allen Fällen mit hoher Wahrscheinlichkeit von den Patienten aus anderen Ländern mitgebracht worden war, noch nicht weiterverbreitet worden.

Keine Bedrohung für Gesunde

Der Hefepilz ist gegen viele Antimykotika resistent. Dennoch können betroffene Patienten mit vorhandenen Medikamenten behandelt werden. "Es ist nicht so, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen", sagt Kurzai. Für einen gesunden Menschen ist der Pilz keine Bedrohung.

Candida auris kann zu einer Sepsis sowie Harnwegs- und Wundinfektionen führen. Spezielle Symptome für den Pilz sind Kurzai zufolge noch nicht erfasst, er könne deshalb nur im Labor identifiziert werden. Der Hefepilz ist noch nicht meldepflichtig. Kurzai und seine Kollegen hoffen dennoch, dass Kliniken und Labore Verdachtsfälle zur Auswertung an das Referenzzentrum schicken.

Das sei auch für die künftige Behandlung wichtig. "Es besteht das Risiko, dass sich mit Candida auris eine neue Pilzart in unseren Kliniken etabliert, die schwerer zu behandeln ist als die Arten, die wir vorher gesehen haben." (dpa)

Mehr zum Thema

Daten aus Frankreich

Psoriasis: Unterschiedliches Infektionsrisiko unter Biologika

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gendermedizin

Geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauenherzen schlagen anders

Lesetipps