Modellprojekt IPH

Feste Bezugspersonen zur Therapie psychisch Kranker

Im Rahmen eines Pilotprojektes werden psychisch kranke Menschen am St. Marien-Hospital in Hamm nun von einer festen Bezugsperson behandelt. Das soll die Behandlungsqualität verbessern.

Veröffentlicht:

HAMM. Seit Anfang des Jahres werden psychisch kranke Menschen am St. Marien-Hospital in Hamm von einer festen Bezugsperson behandelt.

"Wir wollen zeigen, dass sich so die Zahl der Behandlungsabbrüche und Rückfälle deutlich senken lässt, die Ergebnisqualität besser wird", wird Professor Dr. Karl H. Beine, Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Witten/Herdecke, in einer Mitteilung der Universität zitiert.

Integrative Psychiatrie Hamm (IPH) heißt das auf acht Jahre angelegte Projekt. Bisher haben Patienten mit psychischen Erkrankungen im Laufe einer Krankenhausbehandlung mit verschiedenen Ärzten und Psychologen zu tun.

Nach der Aufnahme werden sie meist schon nach einigen Tagen auf eine andere Station verlegt, später schließen sich Aufenthalte in einer Tagesklinik und ambulante Behandlungen an.

Und darin sieht Prof. Beine das Problem: "Die Beziehung zum Therapeuten ist in der Behandlung psychischer Erkrankungen einer der stärksten Wirkfaktoren, den wir kennen. Das zeigen zahlreiche Forschungsarbeiten. Im derzeitigen System aber wird die Behandlung immer wieder abgebrochen, weil die Therapeuten häufig wechseln."

Dem will Beine mit dem Modellprojekt IPH entgegen wirken: Ein Fall-Manager dient dem Patienten während der gesamten Behandlung als fester Ansprechpartner. Das wird in der Regel ein Oberarzt sein, der die gesamte Therapie und nicht nur einen Abschnitt im Blick hat.

Rund 20 Prozent der Bevölkerung benötigen mindestens einmal im Leben eine Behandlung. Bei der Krankenhausbehandlung sind die Fallzahlen von 1994 bis 2012 bundesweit um 58 Prozent gestiegen. Die Krankenhausbehandlung bei psychisch kranken Menschen ist dringend reformbedürftig, heißt es in der Mitteilung.

"Bei depressiv erkrankten Menschen sieht das so aus: Fast ein Drittel der Patienten zeigen innerhalb von zwei Jahren die gleichen Symptome wieder. Deswegen beschreiten wir neue Wege in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal", sagte Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK Nordrhein-Westfalen bei der Vorstellung des Projekts.

Die Krankenkassen stellen dem St. Marien-Hospital ein festes Budget von ca. zwölf Millionen Euro zur Verfügung, was der Höhe der bisherigen Ausgaben entspricht. "Wir können mit dem Geld den Patienten die Behandlung anbieten, die medizinisch sinnvoll ist und die sie sich selber wünschen", fasst Prof. Beine das Modell zusammen. (eb)

Weitere Informationen zum Modellprojekt per E-Mail an: karl-h.beine@marienhospital-hamm.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Unterschätztes Problem

Häufig Dauerkopfschmerz nach hämorrhagischem Insult

Sozialpsychologie

Wie die erste Schwangerschaft das psychische Wohlbefinden beeinflusst

Urteil zur Substitutionsbehandlung

Methadon-Praxis darf nicht beliebig erweitert werden

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ergänzung zu Antibiotika?

Mit intravaginaler Ascorbinsäure gegen bakterielle Vaginose

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Lesetipps
Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft