Wiedemann-Rautenstrauch-Syndrom

Fettzellen-Hormon könnte Therapie verbessern

Veröffentlicht: 08.06.2016, 13:30 Uhr

BERLIN. Eine neue Studie zum seltenen Wiedemann-Rautenstrauch-Syndrom, einer Progeroid-Störung, lässt auch die Diabetes-Forscher aufhorchen: Die Autoren entdeckten ein neues Hormon und erkannten, dass dieses bei Mäusen sowohl den Blutzucker als auch das Insulin ansteigen lässt (Cell 2016; 165: 566-579).

Sie stellten weiterhin fest, dass das sogenannte "Asprosin" möglicherweise auch bei Menschen mit Diabetes Typ 2 eine Rolle bei der Regulation des Blutzuckerstoffwechsels spielt, teilt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit.

Die amerikanischen Wissenschaftler analysierten ursprünglich das Erbgut von Patienten mit dem seltenen Weidemann-Rautenstrauch-Syndrom. Im Zuge der Genom-Analyse fanden die Forscher um den Genetiker Atul Chopra dann heraus, dass bei diesen Patienten ein Mangel an einem bislang unbekannten Hormon besteht.

Sie nannten es "Asprosin", nach dem griechischen Wort für "Weiß", da den Betroffenen das weiße Unterhautfettgewebe fehlt. Weitere Untersuchungen ergaben, dass Asprosin normalerweise im Fettgewebe gebildet wird, heißt es weiter in der DDG-Mitteilung. Über das Blut gelangt es zur Leber.

Patienten haben niedrige Insulinkonzentrationen

Dort steigert es die Freisetzung von Glukose ins Blut. Menschen mit Weidemann-Rautenstrauch-Syndrom haben, weil ihnen Asprosin fehlt, niedrige Insulinkonzentrationen.

Menschen mit Insulinresistenz weisen wiederum erhöhte Asprosin-Werte auf, wie die Forscher der Studie weiter feststellten.

"Ob sich allerdings das neu entdeckte Hormon für die Behandlung des Typ-2-Diabetes oder die Frühdiagnose einer Insulinresistenz eignet, müssen weiterführende klinische Studien erst klären", wird Professor Matthias Blüher vom Universitätsklinikum Leipzig zitiert.

"Pharmakologische Ansätze zur Hemmung von Asprosin, etwa durch spezifische Antikörper, könnten nach den Daten der aktuellen Studie den Blutzucker senken und die Insulinempfindlichkeit verbessern", so Blüher.

"Indirekt könnte durch eine Asprosin-Hemmung vielleicht auch das Übergewicht vieler Patienten mit Typ-2-Diabetes reduziert werden", vermutet der DDG Experte.

An Mäusen mit Diabetes konnten die Autoren bereits zeigen, dass ein Antikörper, der an Asprosin bindet, die Wirkung des Hormons neutralisiert. Schon nach einer Injektion seien Blutzucker und Insulinwerte im Normalbereich gewesen. (eb)

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