Direkt zum Inhaltsbereich

Psychische Störungen

Fokus auf Kinder aus Migrantenfamilien legen

Familien mit Migrationshintergrund vertrauen sich auch bei psychischen Problemen junger Familienangehöriger oft erst spät einem Arzt an. Dies verschlimmert nicht nur das seelische Leiden der jungen Patienten.

Veröffentlicht:

KÖLN. In Deutschland lebende Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben ein höheres Risiko für eine Depression, Abhängigkeitserkrankung, posttraumatische Belastungsstörung, ein psychosomatisches Leiden oder andere psychische Störungen als Deutsche.

"Die Kinder und Jugendlichen aus Migrantenfamilien wachsen häufig in einem enormen kulturellen und emotionalen Spannungsfeld auf", erklärt Oya Uzelli-Schwarz, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP).

"Mit den sich daraus ergebenden Konfliktsituationen sind sowohl Eltern wie auch die Kinder und Jugendlichen häufig überfordert, was sich zunächst in einem auffälligen Verhalten und bei einem Andauern der emotionalen Belastung auch in einer psychischen Störung äußern kann."

Zunächst muss eine "emotionale Mauer" überwunden werden

Migration und multikulturelle Aspekte als Risikofaktor für psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind ein Schwerpunktthema bei der diesjährigen Jahrestagung des BKJPP vom 14. bis 16. November 2013 in Berlin. Das diesjährige Motto lautet: "Mauern, Brücken, Übergänge".

"Wenn Kinder oder Jugendliche zu uns in die Praxis kommen gilt es zunächst einmal, emotionale Mauern zu überwinden", so Tagungspräsidentin Uzelli-Schwarz.

"Die Brücken und Übergänge benötigen wir, um den Betroffenen Wege aus ihrer Situation aufzuzeigen und sie dabei zu unterstützen."

Besorgniserregend seien auch die häufig anzutreffenden Vorbehalte in Migrantenfamilien gegenüber psychiatrischen und psychosozialen Hilfen, teilt der BKJPP zum Kongress mit. "Die Familien vertrauen sich in der Regel viel zu spät einem Arzt an", weiß Uzelli-Schwarz, die in Gelsenkirchen als niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiaterin tätig ist.

"Dies verschlimmert nicht nur das seelische Leiden der jungen Patienten. Auch die Behandlung wird dann schwieriger, sie dauert länger und im schlimmsten Fall wird der Behandlungserfolg sogar in Frage gestellt."

Ein Hinweis darauf sei etwa der überproportional hohe Anteil junger Türkinnen bei Suiziden.

Sprachbarrieren berücksichtigen!

Um die Zugangsbarrieren zu senken, sollten Anamnese und Behandlung den kulturellen Hintergrund der Patienten berücksichtigen, erinnert der BKJPP. "Es ist wichtig, sich mit den sozialen Strukturen, Wertevorstellungen und religiösen Bräuchen der Patienten zu beschäftigen. Zudem müssen mögliche Sprachbarrieren berücksichtigt und ausgeräumt werden", wird Uzelli-Schwarz zitiert.

Eine mangelnde interkulturelle Verständigung wirke sich immer ungünstig auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus. Sie führe zu Verhaltensunsicherheiten auf Seiten der Patienten und des Arztes und letzten Endes zu Fehl- und Falschdiagnosen. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Wird oft übersehen

Wie sich Migräne bei älteren Menschen zeigt

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Start des Gebäudemodernisierungsgesetzes

Heizungstausch geplant? Diese neuen Regelungen kommen auf Eigentümer zu

Lesetipps
Steve Roczen und MFA-Auszubildender

© Zentrum Familienmedizin GbR

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant

Ein gedeckter Tisch mit Gemüse

© san_ta / Stock.adobe.com

Metaanalyse

Ist eine vegetarische oder vegane Ernährung gut für Kinder?