Palliativversorgung

Forschungslücke AAPV

Die Aufgabe von Hausärzten in der Palliativversorgung ist zentral. Doch was sie genau tun, ist weithin unerforscht. Im Fokus des Interesses der Versorgungsforscher steht fast immer die SAPV.

Veröffentlicht: 09.04.2014, 08:12 Uhr

BOCHUM. In der Palliativmedizin herrscht großer Bedarf an Versorgungsforschung, gerade was die Rolle der Hausärzte betrifft. Interessante Fragen gibt es genug, sie werden aber nicht aufgenommen, klagt der Wittener Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns.

"Die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) ist faktisch unbeforscht, seit es die spezialisierte Versorgung gibt", sagte Thöns beim 1. Symposium hausärztliche Palliativversorgung der Abteilung für Allgemeinmedizin der Universität Bochum.

Nur ein geringer Teil der schwerst kranken und sterbenden Patienten werde durch die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) erfasst, sagte Thöns. Dennoch finde in diesem Bereich viel Forschung statt. "Die SAPV interessiert die wissenschaftliche Fachgesellschaft und die Politik." In der AAPV werde der Großteil der Patienten betreut, hier gebe es das größte Verbesserungspotenzial, betonte Thöns.

Gerade Nordrhein-Westfalen biete interessante Forschungsansätze, da es in beiden Landesteilen zwei unterschiedliche Versorgungsphilosophien gibt. Nordrhein setzt auf die Versorgung durch SAPV-Teams, Westfalen-Lippe hat sich für die Verschränkung von ambulanter und spezialisierter Versorgung entschieden hat.

"Die allgemeine hausärztliche Palliativversorgung bei häufigen Erkrankungen ist wenig untersucht", sagte auch Dr. Bert Huenges vom Team Versorgungsforschung der Bochumer Abteilung für Allgemeinmedizin. Als Beispiele nannte er Patienten mit Demenz, Herzinsuffizienz und COPD oder multimorbide Patienten.

Viele Fragen bei Haus- und Heimbesuchen

"Die Vorbereitung der Hausärzte auf diese zentrale Aufgabe sollte verbessert werden", stellte er fest. Gerade bei der psychosozialen Versorgung durch Hausärzte gebe es Nachholbedarf.

Die Gruppe der Erkrankten mit einem klassischen Versorgungsbedarf gemäß der SAPV ist nach seinen Angaben mit rund 15 bis 20 Prozent vergleichsweise klein.

Mit der Organisation ambulant-palliativer Versorgung bei klarer palliativer Situation sei er in seiner Praxis vielleicht ein- bis zweimal im Quartal befasst, berichtete der Allgemeinmediziner. Die palliativmedizinische Standardsituation sei die Konsultation oder der Heim- oder Hausbesuch bei multimorbiden oder hochbetagten Patienten.

Genau in diesem Bereich seien noch viele wissenschaftliche Fragen offen, betonte Huenges. "Die Studienlage ist nicht zufriedenstellend." Das will die Abteilung für Allgemeinmedizin mit einem Forschungsschwerpunkt "hausärztliche Palliativversorgung" ändern.

Professor Reinhard Rychlik: "Uns interessiert die Frage, was leistet der Hausarzt in der Palliativversorgung." (iss)

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