Kommentar – Tuberkulose-Bericht des RKI

Fortschritt gerät ins Stocken

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 30.10.2018, 16:04 Uhr

Tuberkulose ist eine Armutskrankheit und gehört weltweit immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen. Zehn Millionen TB-Kranke und 1,7 Millionen TB-Tote hat die WHO 2016 registriert.

Die großen Zahlen verstellen allerdings den Blick darauf, dass die Sterberate durch standardisierte Therapien mit Tuberkulostatika-Kombinationen seit dem Jahr 2000 deutlich zurückgegangen ist.

Doch der Fortschritt stockt: Der Anteil von Erkrankungen mit resistenten Erregern steigt, mit verheerenden Folgen für die Betroffenen. Sind die Tuberkelbakterien gegen die beiden Standardmedikamente Rifampicin und Isoniazid unempfindlich, sinken die Heilungs-Chancen auf nur noch 54 Prozent.

Und nur jeder fünfte Patient mit solcher „multi-drug-resistant“ (MDR)-TB bekommt nach WHO-Angaben auch die erforderlichen Arzneien. Die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien hat daher höchste Priorität. Hilfsorganisationen und WHO beklagen dabei immer wieder, dass Ressourcen dafür fehlen.

In Deutschland ist TB zum Glück selten, aber auch wir können uns nicht von der globalen Entwicklung abschotten. Aufmerksamkeit ist wichtig: Bei Patienten mit entsprechenden Symptomen oder besonderen Infektionsrisiken ist TB immer in Betracht zu ziehen.

Lesen Sie dazu auch: Neuer RKI-Bericht: Nicht nur resistente Tuberkulose-Erreger bereiten Sorge

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