Pharmakotherapie

Fortschritt in der Personalisierten Medizin bei Depressionen

Forscher haben Transkriptomsignaturen identifiziert, die mit einem besonders guten Ansprechen auf eine antidepressive Behandlung verknüpft sind.

Veröffentlicht: 29.12.2017, 12:25 Uhr

MAINZ. Das Problem ist bekannt: Nur ein Drittel der Patienten mit Depressionen profitieren tatsächlich von der ersten ihnen verschriebenen Substanz. Die anderen Zweidrittel müssen weitere Therapieversuche durchlaufen, um die für sie passende antidepressive Behandlung zu finden.

Forscher der Universitätsmedizin Mainz und ihre internationalen Kooperationspartner haben mit Hilfe eines von ihnen neu entwickelten Tiermodells Transkriptomsignaturen identifiziert, die mit einem besonders guten Ansprechen auf die antidepressive Behandlung verknüpft waren, teilt die Universitätsmedizin Mainz mit. (PLoS Biol 2017; 15 (12): e2002690).

Transkriptomprofil identifiziert

Die Forscher konnten zeigen, dass die Reaktion im Tiermodell auf ein Antidepressivum ähnlich heterogen ist wie bei Patienten mit Depressionen.

Unter der Federführung von Univ.-Prof. Dr. Marianne Müller, Leiterin Translationale Psychiatrie in Mainz, wurden zunächst im Tiermodell bestimmte Biomarker aus dem Blut, also ein Transkriptomprofil identifiziert, welches mit einem überdurchschnittlich guten Ansprechen auf die antidepressive Therapie assoziiert ist, berichtet die Universitätsmedizin Mainz. Das Transkriptom umfasst alle von der DNA in RNA umgeschriebenen Gene einer Zelle.

"Ein tierexperimentelles Modell muss dann natürlich an seiner Relevanz für die klinische Anwendung gemessen werden und erfordert eine Validierung am Patienten", wird Tania Carrillo-Roa zitiert, eine der Erstautoren der interdisziplinären Studie. In einem zweiten Schritt überprüften die Wissenschaftler die Befunde. Dazu glichen sie diese mit Transkriptomdaten und klinischen Verläufen von depressiven Patienten aus zwei kontrollierten Studien ab.

Fokus auf den Glucocortikoidrezeptor

"Unsere Befunde zeigen, dass der von uns gewählte Ansatz geeignet ist, um prädiktive Transkriptomsignaturen zu identifizieren, die eine hohe Voraussagekraft auch für das Ansprechen auf eine antidepressive Behandlung beim Menschen haben.

In unseren weiterführenden Analysen haben wir mit dem Glucocortikoidrezeptor, der eine zentrale Rolle in der Regulation des Stresshormonsystems spielt, einen möglichen Schlüsselmechanismus gefunden, der die Wirksamkeit von Antidepressiva moduliert", so Müller in der Mitteilung der Universitätsmedizin Mainz. "Langfristig sollen unsere Befunde dazu beitragen, eines Tages eine individualisierte Behandlung depressiver Erkrankungen anbieten zu können." (eb)

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