Epilepsie

Frakturen bei Epilepsie sind häufiger als vermutet

BONN (ner). Wirbelkörperfrakturen sind eine häufig übersehene Folge generalisierter epileptischer Anfälle. Darauf weisen Neurologen aus Bonn hin. Gerade bei alten Epilepsie-Patienten, sowie nach langjähriger Therapie mit Osteoporose-begünstigenden Medikamenten wie Carbamazepin, müsse an Frakturen gedacht werden.

Veröffentlicht: 18.05.2007, 08:00 Uhr

Auch bei jungen Epilepsie-Patienten können postiktale Wirbelfrakturen auftreten. Dr. Monika Bös und Professor Jürgen Bauer von der Bonner Klinik für Epileptologie berichten über einen 40-jährigen Mann, der unter Valproinsäure und Lamotrigin seit sieben Jahren anfallsfrei gelebt hatte. Er kam nach einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall in die Klinik und klagte über ausgeprägte Rückenschmerzen. Klinisch-neurologisch bestanden keine Auffälligkeiten. Auf dem Röntgenbild der Wirbelsäule war jedoch der Deckplatteneinbruch eines Brustwirbelkörpers (BWK 5) zu erkennen. Keines der Antiepileptika war im Blutserum nachweisbar. Auf Nachfrage gab der Mann zu, fünf Tage zuvor die Medikamente wegen der langen Anfallsfreiheit selbstständig abgesetzt zu haben. In einem anderen Fall hatte ein 46-jähriger Patient eine ganze Serie generalisierter Anfälle erlitten. Auch er hatte zuvor die Medikamente abgesetzt (Nervenheilkunde 26, 2007, 421).

Die Wirbelfrakturen rühren von den starken Kontraktionen der Rückenmuskulatur während des Anfalls her. Dies führt zu erheblichem Druckim vorderen und mittleren Wirbelkörperbereich. Besonders gefährdet sei deshalb die mittlere Brustwirbelsäule mit ihrer kyphotischen Krümmung, so Bös und Bauer. Weil meist keine neurologischen Defizite vorlägen, würden die Beschwerden oft übersehen oder fälschlich als muskulär bedingt interpretiert. Zudem sind viele Wirbelkörperfrakturen offenbar asymptomatisch. Bereits vor 30 Jahren war in einer Studie festgestellt worden, dass von 70 Patienten nach epileptischen Anfällen ohne Rückenschmerzen elf (15 Prozent) Wirbelkörperfrakturen aufwiesen. Es müsse von einer deutlich höheren Wirbelfrakturhäufigkeit ausgegangen werden, als gemeinhin vermutet, betonen die Neurologen.

Meist sind die Frakturen stabil und die Betroffenen können konservativ behandelt werden. Patienten sollte man darauf hinweisen, dass ein Medikamentenentzug die motorische Aktivität von Anfällen vermutlich steigert. Sie laufen dann womöglich weniger gebremst ab als dies bei spontanen Anfällen unter Schutz der Medikation der Fall ist.



STICHWORT

Epilepsie

Nach Schätzungen leiden in Deutschland 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung an Epilepsie. Das sind etwa 400 000 bis 800 000 Patienten. Die Zahl der Neuerkrankungen wird auf etwa 30 000 pro Jahr geschätzt. Die Hälfte der Patienten erkranken vor dem zehnten Lebensjahr, etwa zwei Drittel bevor sie 20 Jahre alt sind. (eb)

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