Prostatabiopsie

Frühe Diagnose bringt nicht immer Vorteile

Die Belastung durch eine Biopsie sollte nur Patienten zugemutet werden, die aus den Ergebnissen und der Therapie auch tatsächlich noch einen Nutzen ziehen können. Doch die richtige Indikationsstellung macht nach wie vor Probleme.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Prostatabiopsie: Alter und Komorbiditäten sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden.

Prostatabiopsie: Alter und Komorbiditäten sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden.

© Bilderzwerg / fotolia.com

PHILADELPHIA. Frühere Studien legen nahe, dass ein PSA-Screening die prostataspezifische Mortalität bis zu zehn Jahre nach der Diagnose nicht beeinflusst. Inwieweit Patienten im fortgeschrittenen Alter von einem Prostatakrebs-Screening profitieren, ist deshalb nach wie vor Gegenstand vieler Debatten. Denn schnell führen erhöhte PSA-Werte zu einer Biopsieempfehlung. Wie viele Studien ergeben haben, oft selbst dann, wenn die Lebenserwartung des Patienten ohnehin nur noch wenige Jahre beträgt.

Um Komplikationen infolge von Biopsie oder Überdiagnostik zu vermeiden, raten etliche Fachgesellschaften älteren Patienten schon im Vorfeld von einem Screening ab. Auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt in ihrer Leitlinie die Tastuntersuchung und Beratung hinsichtlich eines PSA-Tests für Männer ab 45 mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren. "Für Männer über 70 Jahre und einem PSA-Wert < 1 ng / ml wird eine weitere PSAgestützte Früherkennung nicht empfohlen."

Biopsieergebnisse von 417 Männern

Hal Kominsky und Kollegen von der Temple University, Philadelphia, haben die Biopsieergebnisse und die Lebenserwartung von 417 Männern im Durchschnittsalter von 65 Jahren nach einer Prostatabiopsie in der urologischen Abteilung ihrer Klinik analysiert (Urology 2016, online 14. September). Das geschätzte Risiko, innerhalb von 14 Jahren nach der Biopsie aus einem anderen Grund als an einem Prostatakarzinom zu sterben, lag bei den Patienten unter Berücksichtigung von Alter und Komorbiditäten zwischen 9 und 74 Prozent. Bei 46,3 Prozent wurde das 14-Jahres-Gesamtmortalitätsrisiko auf unter 40 Prozent (niedriges Risiko) eingeschätzt, bei 31,4 Prozent auf 41–55 Prozent (mittleres Risiko) und bei 22,3 Prozent auf über 55 Prozent (hohes Risiko). Die häufigste Begleiterkrankung war bei 76,7 Prozent der Patienten eine Hypertonie.

Bei 35,7 Prozent der Männer, die sich einer Biopsie unterzogen hatten, lautete die Diagnose "Prostatakrebs". Bei den Männern mit positiven Gewebeproben standen der Prozentteil positiver Biopsiestanzen sowie der Gleason-Score nicht im Zusammenhang mit dem allgemeinen Mortalitätsrisiko. Im CAPRA(Cancer of the Prostate Risk Assessment)-Score hatten Männer mit einem mittleren oder höheren Mortalitätsrisiko häufiger High-risk-Prostatakarzinome. Allerdings wurden auch 21 Prozent der Patienten dieser Gruppen als Low-risk-Karzinom-Patienten eingestuft. Sie würden nach Ansicht der Autoren vermutlich nicht von einer Therapie profitieren. Andererseits könnten Männer mit einem High-grade-Karzinom oder einem Tumor in fortgeschrittenem Stadium möglicherweise trotz ihrer begrenzten Lebenserwartung einen Nutzen aus Diagnose und Therapie ziehen.

Erweiterte Kriterien zur Indikation

Die Autoren gehen aufgrund dieser Studienergebnisse davon aus, dass die Mehrheit der Männer keinen Nutzen aus einer Biopsie hatte, da diese entweder negativ ausgefallen war oder ein Low-risk-Prostatakarzinom festgestellt wurde. Um möglicherweise unnötige Untersuchungen zu vermeiden, solle der Arzt unbedingt das Alter des Patienten sowie dessen Komorbiditäten in seine Überlegung einbeziehen, bevor er diesem eine Biopsie empfehle. Um die Frage nach der Notwendigkeit bei betagten Patienten zu klären, sind nach Ansicht der Autoren neben dem PSA-Wert weitere Biomarker, bildgebende Verfahren sowie multivariable Nomogramme hilfreich.

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