Ausdauersport

Gehört Kohlenmonoxid auf die Dopingliste?

Kohlenmonoxid steht nicht gerade im Ruf, besonders leistungssteigernd zu wirken. Schließlich können Vergiftungen tödlich enden. Dass das Gas plötzlich dopingtauglich sein soll, überrascht – oder doch nicht?

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 15.07.2020, 15:59 Uhr
Gehört Kohlenmonoxid auf die Dopingliste?

Sollte bei der Dopingkontrolle künftig auch die HbCO-Konzentration analysiert werden? Darüber will die WADA bei ihrem nächsten Treffen diskutieren.

© picture-alliance / CITYPRESS24

Bayreuth. „Leistungssteigernder Effekt durch Kohlenmonoxid möglich“ – mit dieser Meldung hat der Bayerische Rundfunk am 14. Juli aufgemacht und damit einiges Aufsehen erregt.

Kohlenmonoxid könne Ausdauersportlern hilfreich sein, hieß es in der Meldung weiter, die sich im Übrigen auf Forschungen von Professor Walter Schmidt bezog, der die Abteilung für Sportmedizin und Sportphysiologie der Universität Bayreuth leitet.

Ganz so aktuell wie die Nachricht ist ihr Inhalt allerdings nicht: Im April 2018 war an der Bayreuther Universität ein Aushang zu lesen, mit dem „männliche Sportstudenten, Nichtraucher, orthopädisch und internistisch gesund, zuverlässig und motiviert“ gesucht wurden.

Es ging dabei weder um Partnerschafts- noch um Zimmervermittlung. Vielmehr handelte es sich darum, Teilnehmer für eine Anti-Doping-Studie zu finden.

Hämoglobinmasse steigt um fünf Prozent

Ergebnisse der Studie präsentierte die Gruppe um Professor Schmidt Ende Mai vergangenen Jahres auf der Jahrestagung des American College of Sports Medicine in Orlando, publiziert wurden sie im Februar 2020 (Med Sci Sports Exerc 2020; online 29. Februar).

Für die Untersuchung hatten elf gesunde und moderat trainierte Männer drei Wochen lang fünfmal täglich einen Bolus Kohlenmonoxid (CO) inhaliert. Ziel war es, die HbCO-Konzentration um etwa 5 Prozent zu steigern. Elf weitere Probanden erhielten eine Placeboinhalation.

Während der Interventionsphase stieg die Hämoglobinmasse in der CO-Gruppe kontinuierlich von durchschnittlich 919 auf 962 g, also um knapp fünf Prozent. Die Zunahme blieb in den folgenden drei Wochen bestehen.

Maximale Sauerstoffaufnahme nahm tendenziell zu

Blut- und Plasmavolumen änderten sich nicht. Signifikante Anstiege gab es bei den Retikulozytenanteilen wie auch beim Retikulozytenreifeindex, der den Anteil unreifer Retikulozyten angibt. Die Konzentration von Erythropoetin nahm nach einer Woche tendenziell zu und war in der Postinterventionsperiode signifikant supprimiert.

Auch die maximale Sauerstoffaufnahme nahm tendenziell, allerdings nicht statistisch signifikant zu. In der Placebogruppe waren keinerlei Effekte dieser Art festzustellen.

Das Resümee der Forscher um Schmidt: „Chronische kontinuierliche Exposition gegenüber niedrigen Dosen von Kohlenmonoxid, die das HbCO um fünf Prozent heben, regen die Erythropoese an und beeinflussen die Leistungsfähigkeit positiv.“

Lang praktizierte Methode wurde optimiert

Inhaliertes Kohlenmonoxid blockiert die Sauerstoffbindungsstellen des Hämoglobins. Es war daher schon in der Vergangenheit vermutet worden, dass sich damit über erhöhte Produktion von Erythropoetin Effekte wie bei einem Höhentraining erzielen lassen. Die Inhalation geringer Mengen von Kohlenmonoxid dient aber vor allem auch dazu, die Hämoglobinmasse zu bestimmen – nicht zuletzt, um Blutmanipulation im Sport auf die Spur zu kommen.

Diese lange praktizierte Methode wurde in jüngerer Vergangenheit optimiert, unter anderen von Professor Walter Schmidt. Gleichzeitig wurde aber spekuliert, geringe Dosen von CO könnten auch nützliche beziehungsweise therapeutische Adaptationsprozesse in Gang setzen und die Hämoglobinmasse beeinflussen (Int J Sports Med 2016; 37:884–889).

Im Internet seit Jahren ein Thema

Auf Internetseiten, die sich dem Radsport widmen, ist Doping mit Kohlenmonoxid bereits seit Jahren ein Thema. Dort wird auch gefragt, ob diese Art der Leistungssteigerung illegal sei, wo doch Höhentraining oder der Einsatz von Hypoxiekammern erlaubt sei. „Es ist sicher unmoralisch“, schreibt etwa User DIM auf der Internetseite velorooms.com. „Aber die Teams machen es dennoch.“

Schmidt und Kollegen schreiben, sie hätten mit ihrer Studie womöglich „eine Büchse der Pandora geöffnet“. Sie sind aber auch sicher, die Kontrolle des CO-Gebrauchs verbessert zu haben. „Ob es Athleten erlaubt sein sollte, ein giftiges, in hohen Konzentrationen tödliches Gas zu inhalieren, muss die Weltdopingagentur WADA entscheiden“, so die Forscher.

Ebendiese WADA kam auch im Beitrag des Bayerischen Rundfunks zu Wort. Fundierte Daten zur Wirkung von Kohlenmonoxid bei Sportlern hätten bisher gefehlt, hieß es da. Die Ergebnisse von Schmidt und Kollegen waren da schon länger als ein Jahr bekannt. Beim nächsten WADA-Treffen sollen sie nun diskutiert werden.

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