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Gelähmt durch Neurotoxine von Zecken

WIESBADEN (ug). Nicht nur chronische Krankheiten sind Thema auf dem Internistenkongreß in Wiesbaden. Sondern auch seltene Erkrankungen, mit denen Kollegen durchaus mal in der Praxis zu tun haben könnten, zum Beispiel die Zeckenlähmung.

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Die Zeckenlähmung ist vor allem in der Tiermedizin und als Erkrankung von Menschen nur etwa aus den Australien bekannt. Aber im vergangenen Jahr ist in Rostock eine Zeckenlähmung erstmals bei einem Patienten in Europa bekannt geworden.

Wie kommt es zu der Lähmung? Manche Weibchen verschiedener Zeckenarten geben Botulinumtoxin-ähnliche Neurotoxine ins Blut ab, während sie saugen, erklärte Professor Emil Reisinger aus Rostock. Bei dem Wirt entwickeln sich 24 bis 48 Stunden später neurologische Symptome mit aufsteigender Lähmung, später Dysphasie, Dysarthrie, Augenmuskellähmung, Ataxie. "Die Symptome verschwinden einige Tage nach Entfernung der Zecke", so Reisinger. Saugt die Zecke aber weiter, kann das Opfer sterben.

"Anfang letzten Jahres kam ein Patient, etwa 60 Jahre alt, zu uns", erzählte Reisinger. Er hatte eine Augenmuskellähmung und rechts eine Halbseitenlähmung. Ein Schlaganfall wurde ausgeschlossen. Der Patient kam mit Verdacht auf Botulismus zu Reisinger in die infektiologische Abteilung. Doch es gab keine Hinweise auf Botulismus.

Am linken Unterarm wurde aber ein kleines, für einen Zeckenstich typisches Granulom, ein Eschar, entdeckt. Der Patient bestätigte: Da habe er eine Zecke gehabt, die er am Tag zuvor entfernt habe. "Drei Tage später war er völlig symptomfrei", so Reisinger.

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