Gelbfieber-Impfung ist für Alte keine Bagatelle

WIESBADEN (ug). Bei Reisenden über 60 Jahre muss die Indikation für eine Gelbfieber-Impfung in Zukunft sehr streng gestellt werden. Denn gerade bei alten Menschen kann es nach der ersten Impfung zu schweren, sogar tödlichen Impfreaktionen kommen.

Veröffentlicht:

Ab- oder zuraten könne man nicht, so Reisemediziner auf dem Internisten-Kongress in Wiesbaden. Die Entscheidung für oder gegen die Impfung müssten die Reisenden selbst fällen. Gelegentlich könnten die Kollegen jedoch versuchen, den alten Menschen die Reise auszureden. Grundsätzlich gilt aber: Wer einmal eine Gelbfieber-Impfung vertragen hat, der wird auch bei weiteren Impfungen keine Probleme haben.

Seit etwa fünf Jahren seien zunehmend ernsthafte unerwünschte Wirkungen der Gelbfieber-Impfung bekannt geworden. Das berichtete der Münchner Tropenmediziner Privatdozent Hans-Dieter Nothdurft von der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG).

Weltweit starben nach der Impfung 23 Menschen

Berichte von Multiorganversagen oder neurologischen Wirkungen wie Enzephalitis stammen vor allem aus den USA und Brasilien, aber auch aus einigen europäischen Ländern. Weltweit starben 23 Menschen nach Erstimpfung, besonders häufig Menschen in den USA, in Brasilien und Australien.

Ein hohes Risiko für schwere Impf-Wirkungen haben Menschen mit gestörter Immunkompetenz. Das gilt vor allem bei Funktionsstörungen der Thymusdrüse, nach Thymektomie oder bei einem Alter über 60 Jahre. Bei alten Menschen liegt das Risiko bei 25,3 pro 100 000 Impfungen pro Woche. Das müsse man bei der Beratung in Beziehung setzen zum Gelbfieber-Risiko im jeweiligen Urlaubsland, sagte Nothdurft.

In endemischen Regionen Afrikas, besonders in Westafrika, beträgt das Risiko einer Gelbfieber-Infektion für nicht-geimpfte Touristen 23,8 pro 100 000 Besucher pro Woche. Gibt es dort eine aktuelle Epidemie, steigt das Risiko um das Zehnfache auf 357 pro 100 000 Touristen pro Woche. Gelbfieber kommt auch in Südamerika vor, besonders in Brasilien, und hier vor allem in der Region der Iguazu-Wasserfälle. Hier ist das Infektionsrisiko jedoch viel geringer: 2,4 pro 100 000 Touristen pro Woche. Während einer Epidemie steigt es allerdings auf 35,7.

Die Beratung wird dadurch erschwert, dass einige Länder bei Einreise einen Impfnachweis verlangen. Das ist vor allem bei Rundreisen und bei Kreuzfahrten zu beachten, die gerade bei alten Menschen sehr beliebt sind.

Das neue Impfzertifikat muss die Gültigkeitsfrist enthalten

Nothdurft stellte Theorien vor, warum es bei manchen zu schweren Impfreaktionen kommt. Möglich sei etwa, dass sie mit einer bestimmten Genmutation zusammenhängen. Auch eine Assoziation mit dem Thymus wird diskutiert. Aber eindeutige Erklärungen gibt es noch nicht.

"Bisher galt die Gelbfieber-Impfung als sehr effektiv, sogar als eine der besten Impfungen in der Reisemedizin", sagte der Tropenmediziner. "Nun haben wir ein Problem." Die schweren unerwünschten Wirkungen seien zwar "extrem selten", Aufklärung ist dennoch Pflicht. Die DTG wird demnächst ein neues Merkblatt dazu veröffentlichen.

Auch das Gelbfieber-Impfzertifikat wird sich ändern. "In Zukunft muss angegeben werden, bis wann die Impfung gültig ist", erklärte Nothdurft. Bisher braucht nur das Impfdatum im Impfpass notiert werden.

Informationen zu Tropen- und Reisemedizin: www.dtg.org

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist

Juristische Fallstricke

So lassen sich Haftungsrisiken in der Hausarztpraxis minimieren

Lesetipps
Lungenfunktionsuntersuchung

© Viktor Koldunov / stock.adobe.co

Vernarbung und Fibrosierung

Interstitielle Lungenerkrankung: Die Nachwehen von COVID-19