Direkt zum Inhaltsbereich

Gesunde Babys trotz bipolarer Krankheit

Wollen Frauen mit bipolarer Erkrankung schwanger werden, sollten sie dies gut planen - eventuell muss nämlich die Medikation umgestellt werden. Am sichersten für das Ungeborene ist offenbar eine Phasenprophylaxe mit Lithium.

Von Maria-Anna Schoppmeyer Veröffentlicht:
Eine Schwangerschaft ist mit einer bipolaren Störung durchaus vereinbar. Arzt und Patientin sollten die Therapie aber genau planen.

Eine Schwangerschaft ist mit einer bipolaren Störung durchaus vereinbar. Arzt und Patientin sollten die Therapie aber genau planen.

© Foto: memowww.fotolia.de

Kinderwunsch und bipolare Störungen galten für viele Ärzte lange als unvereinbar. Doch auch wenn kein Phasenprophylaktikum für Schwangere zugelassen ist, sollte gemeinsam mit dem Arzt in Ruhe entschieden werden, ob die Medikamente vorübergehend abgesetzt oder reduziert werden können. Darauf hat Dr. Johanna Sasse, Oberärztin am Uniklinikum Dresden hingewiesen.

Bei einem hohen Rückfallrisiko solle versucht werden, auf eine Monotherapie umzustellen. Die Dosis solle nach Möglichkeit über den Tag verteilt werden oder es sollten Retard-Präparate genommen werden, um keine Plasmapeaks zu erhalten, sagte Sasse auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen in Dresden.

Das sicherste Phasenprophylaktikum sei derzeit Lithium. Privatdozentin Stephanie Krüger von der Charité in Berlin erläuterte, dass es bei 0,5 Prozent der Neugeborenen, deren Mütter während der Schwangerschaft Lithium eingenommen hätten, zu einem Herzfehler, der Eb-stein-Anomalie, käme. Das sei zwar 10- bis 20-mal häufiger als bei Neugeborenen üblich. Kinder mit Eb-stein-Anomalie können heute jedoch immer operiert werden.

Kein Kind müsse daran sterben, betonte Krüger. Weit höher liege die Fehlbildungsrate bei Einnahme von Valproinsäure. Hier komme es vor allem zu Neuralrohrdefekten. Deshalb sollten Frauen mit Kinderwunsch unbedingt schon sechs Monate vor der Schwangerschaft Folsäure in einer Dosierung von 800 mg/d einnehmen.

Sicherste Phasenprophylaxe ist mit Lithium möglich.

Entscheidet man sich für das Absetzen der Medikamente, sind außer der erhöhten Rückfallgefahr auch indirekte Auswirkungen für das Ungeborene zu bedenken. So beginnen Schwangere mit Rezidiven häufig wieder zu rauchen oder Alkohol zu trinken und verpassen Vorsorgeuntersuchungen. Dies sei für das Kind möglicherweise gefährlicher als eine niedrig dosierte Erhaltungstherapie.

Bei einer ungeplanten Schwangerschaft sei zu berücksichtigen, dass diese meist erst nach der siebten Woche festgestellt werde. Zu dieser Zeit seien die wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Embryos bereits erfolgt. Ein möglicher Schaden durch die Medikamente wäre dann also schon eingetreten. Eine Reduktion der Medikation zu diesem Zeitpunkt erscheint daher wenig sinnvoll.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Medikalisierung und Desinformation

Wie Social Media elterliche Entscheidungen prägt

Lesetipps
Tollwut-Impfung: Bei wem zahlt die Krankenkasse?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Tollwut-Impfung: Bei wem zahlt die Krankenkasse?

Harnwegsinfekt bei einem Mann

© anut21ng Stock / stock.adobe.com

Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie

Neue Klassifikation von Harnwegsinfektionen räumt mit Missverständnissen auf