Gesundheitsexperten warnen vor Panikmache

LONDON (dpa). Die britische Behörde für Gesundheitsschutz hat nach dem Fund von radioaktiven Spuren an Bord von zwei Passagierflugzeugen vor Panikmache gewarnt. Die Gefahr durch Polonium 210 für die Umgebung sei gering, sagte der Leiter der Behörde, Pat Troop, gestern in der BBC.

Veröffentlicht:

Spuren der Substanz, mit der der russische Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko vergiftet wurde (die "Ärzte Zeitung" berichtete), waren in zwei Maschinen der British Airways entdeckt worden. Polonium 210 ist hochgiftig, wenn es in den menschlichen Körper gelangt, hat aber nur eine geringe radioaktive Strahlung.

British Airways will insgesamt 33 000 Passagiere überprüfen

Die Fluggesellschaft bat insgesamt 33 000 Passagiere, die seit Ende Oktober mit den beiden betroffenen Flugzeugen sowie einer dritten verdächtigen Maschine unterwegs waren, sich bei ihr zu melden. Außerdem wurden auch 3000 Mitarbeiter über den Fund informiert. Die Flugzeuge waren auf insgesamt 221 Flügen innerhalb Europas im Einsatz. Dazu gehörten viele Verbindungen zwischen London und Moskau, aber auch nach Frankfurt/Main, Düsseldorf und Wien.

Eine detaillierte Auflistung aller in Frage kommenden Verbindungen hat die Fluggesellschaft im Internet (www.britishairways.com) veröffentlicht. Betroffene ausländische Fluggäste wurden aufgefordert, sich telefonisch mit British Airways (+44 1 91 211 3690) in Verbindung zu setzen und ihren Hausarzt aufzusuchen. Die drei betroffenen Flugzeuge bleiben bis auf weiteres in London und Moskau am Boden.

Seit Litwinenkos Tod am Donnerstag vergangener Woche wurden Spuren von Polonium 210 bereits an sieben Orten in London festgestellt. Dabei handelte es sich stets um Orte, an denen sich Litwinenko seit Anfang November persönlich aufhielt. Auf Flugreisen war er nach bisherigem Wissensstand seither jedoch nicht. Möglich ist nun sowohl, daß Menschen, die mit ihm in Kontakt waren, in den betreffenden Maschinen saßen, als auch, daß Polonium 210 in den Flugzeugen transportiert wurde. Weiteren Aufschluß erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion des Leichnams, die heute beginnen soll.

Wahrscheinlich erfolgte der Giftanschlag am 1. November

Bislang ist noch immer nicht geklärt, wann und wie genau die radioaktive Substanz in Litwinenkos Körper kam. Als wahrscheinlichster Termin für einen Giftanschlag gilt der 1. November. An diesem Tag traf sich der ehemalige russische Geheimagent in London mit verschiedenen Kontaktmännern aus Rußland und Italien.

Derzeit kursieren viele Theorien, in wessen Auftrag der mutmaßliche Giftanschlag verübt worden sein könnte. Die Reihe der Verdächtigen reicht vom Kreml über den russischen Geheimdienst und Exil-Russen bis hin zu Litwinenkos Umgebung. Auch eine Selbst-Vergiftung oder ein Unfall beim Hantieren mit radioaktivem Material werden diskutiert.

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Vorbereitung für die Obduktion eines Leichnams.

© sudok1 / stock.adobe.com

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt