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Pneumokokken

Große Gefahr für Diabetiker

Diabetiker sollten außer gegen Influenza auch gegen Pneumokokken geimpft sein. Neue Daten bestätigen das erhöhte Krankheitsrisiko, können aber den Effekt der Impfung nicht belegen.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Besteht Pneumokokkenschutz? In einer britischen Studie erkrankten Diabetiker fast doppelt so häufig wie Nichtdiabetiker an den Infektionen.

Besteht Pneumokokkenschutz? In einer britischen Studie erkrankten Diabetiker fast doppelt so häufig wie Nichtdiabetiker an den Infektionen.

© Alexander Raths / Fotolia.com

OXFORD. Es ist bekannt, dass Patienten mit Diabetes mellitus für Pneumokokken-Infektionen besonders anfällig sind. Sie haben bei Erkrankungen zudem eine schlechtere Prognose als stoffwechselgesunde Patienten.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt daher die Pneumokokken-Impfung für alle Diabetiker.

Britische Ärzte haben jetzt untersucht, wie sich die in England seit 1992 bestehende Impfempfehlung auf das relative Erkrankungsrisiko von Diabetikern ausgewirkt hat.

Olena Seminog und Michael Goldacre von der Universität Oxford haben dazu zwei Datensätze von Krankenhauspatienten ausgewertet: ein englandweites Register von 1999 bis 2011 (English Hospital Episode Statistics) und ein Register, das sich auf die Region Oxford beschränkt, aber die Jahre 1963 bis 2011 umfasst (Oxford Record Linkage Study).

In beiden Datensammlungen verglichen sie in bestimmten Zeitintervallen stationäre Diabetespatienten und stationäre Patienten mit anderen Diagnosen hinsichtlich ihres Risikos für Pneumokokken-Erkrankungen (Diabet Med 2013; online 24. Juli).

Unter 60-Jährige besonders anfällig

Diabetiker erkrankten fast doppelt so oft wie Nichtdiabetiker an Infektionen mit Streptococcus pneumoniae.

Ein Rückgang ihres Erkrankungsrisikos wurde in Oxford über fünf Jahrzehnte hinweg nur von 1999 bis 2002 auf 2007 bis 2011 registriert, nämlich von 2,03 auf 1,76 (grenzwertig signifikant). In Gesamt-England kam es im selben Zeitraum zu einer signifikanten Risikoreduktion von 1,92 auf 1,68.

Die vermehrte Anfälligkeit für Pneumokokken-Erkrankungen machte sich bei den unter 60-jährigen Diabetikern besonders deutlich bemerkbar, obwohl ihr Risiko in den letzten Jahren am stärksten zurückgegangen war.

Zwischen 1999 und 2002 waren sie 3,37-mal so oft betroffen, zwischen 2007 und 2011 noch 2,33-mal so häufig wie die Vergleichspatienten ohne Diabetes. Bei den über 60-Jährigen gab es 1,72- bzw. 1,61-mal so viele Erkrankungsfälle wie bei den Vergleichspersonen.

Ein ähnliches Bild zeigte sich, wenn die Auswertung auf Pneumokokken-induzierte Pneumonien, Meningitiden und Septikämien beschränkt wurde. Bei Diabetikern unter 60 sank das Erkrankungsrisiko von 2,68 in den Jahren 1999 bis 2002 auf 2,01 in den Jahren 2007 bis 2011, bei Diabetikern über 60 von 1,62 auf 1,53.

Generell war das Erkrankungsrisiko im Vergleich zur Kontrollgruppe bei Typ-1-Diabetikern stärker erhöht als bei Typ-2-Diabetikern.

"Auch in der Ära der Pneumokokken-Impfung haben stationäre Diabetespatienten weiter ein hohes Risiko für Pneumokokken Infektionen", lautet das Fazit von Seminog und Goldacre.

Ob das daran liegt, dass die Patienten zu selten die empfohlene Impfung erhalten, oder, daran, dass die Impfung - in dieser Studie der Polysaccharid-Impfstoff - nicht ausreichend schützt, lässt sich anhand der verwendeten Daten nicht ermitteln.

Als Ursachen des erhöhten Infektionsrisikos von Diabetikern gelten Veränderungen der Immunabwehr infolge von Hyperglykämien sowie pulmonale Mikroangiopathien.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schutz vor Pneumonien

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