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Adipositas-Chirurgie

Große Hürden für stark Übergewichtige

Trotz guter Heilungs-Chancen kommt die metabolische Chirurgie immer noch nur sehr wenigen adipösen Patienten in Deutschland zugute. Das liege vor allem an den Krankenkassen, kritisiert die Expertengruppe Metabolische Chirurgie.

Katharina GrzegorekVon Katharina Grzegorek Veröffentlicht:
Bei krankhaftem Übergewicht auf den OP-Tisch: Für viele adipöse Patienten der einzige Weg zur dauerhaften Gewichtsreduktion.

Bei krankhaftem Übergewicht auf den OP-Tisch: Für viele adipöse Patienten der einzige Weg zur dauerhaften Gewichtsreduktion.

© Waltraud Grubitzsch / dpa

FRANKFURT / MAIN. In sechs Monaten den BMI von 53 auf 44 kg/m2 reduziert und den Diabetes ohne Medikamente in Remission gebracht: Ein Patient von Professor Matthias Blüher hat dies geschafft - dank Adipositas-Chirurgie.

Nach zwei Jahren war der BMI-Wert weiter auf 34 gesunken und der HbA1c lag mit 5,6 Prozent weiter im Normbereich; vor dem Eingriff hatte er bei 8,6 gelegen.

Gewichts- und Stoffwechselprobleme in den Griff bekommen

Solche erstaunlichen Ergebnisse seien kein Einzelfall, sagt der Oberarzt der Klinik für Endokrinologie und Nephrologie des Uniklinikums Leipzig.

Studien, wie zuletzt die 3-Jahres-Daten der STAMPEDE-Studie (N Engl J Med 2014; 370:2002-2013), bestätigen, dass die metabolische Chirurgie adipösen Patienten auch auf längere Sicht helfen kann, ihre Gewichts- und vor allem Stoffwechselprobleme, in den Griff zu bekommen.

Trotz allem fristet die Methode in Deutschland immer noch ein Schattendasein. So wurden 2011 hierzulande 11,8 Eingriffe pro 100.000 Erwachsene vorgenommen, in Österreich waren es knapp viermal und den USA knapp zehnmal so viele.

Die neuen deutschen S3-Leitlinien "Adipositas - Prävention und Therapie", an deren Entwicklung auch Blüher beteiligt war, sollten dies ändern.

Kassen zahlen oft nicht

Denn ein Grund für die immer noch geringen Operationszahlen ist die Tatsache, dass die Krankenkassen den Eingriff und die Nachbetreuung der Patienten häufig nicht bezahlen.

So werde selbst von einem Diabetiker mit einem BMI von 45 der Nachweis verlangt, dass er ein 6-monatiges konservatives Therapieprogramm erfolglos absolviert hat, so Blüher.

Nur dann würden die Kosten für den rund 8000 Euro teuren Eingriff übernommen. Das ist für viele der Erkrankten frustrierend und kaum zu bewältigen; einer Auseinandersetzung mit der Kasse seien viele nicht gewachsen, stellt der Experte fest.

"Der Leitlinie zufolge", so Blüher auf einer Pressekonferenz in Frankfurt, "sollte ein bariatrisch-metabolischer Eingriff sogar ohne vorherige konservative Therapie durchgeführt werden, wenn die Begleit- und Folgeerkrankungen besonders schwerwiegend sind oder ein BMI von mehr als 50 kg/m2 vorliegt."

Auch Patienten, deren Lebensumstände am Erfolg einer Lebensstiländerung zweifeln lassen, sollen die Hürden für eine Op genommen werden.

Bisher habe die Einführung der neuen Leitlinien im Mai dieses Jahres leider noch keine Veränderungen der Erstattungspraxis bewirkt.

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