KONGRESS-NEWS

Häufig Fehldiagnosen bei Migranten

Veröffentlicht: 27.11.2007, 05:00 Uhr

Bei Migranten mit psychischen Erkrankungen kommt es in Deutschland häufiger zu Fehldiagnosen als bei Einheimischen, haben Ärzte auf dem DGPPN-Kongress berichtet. In Studien war etwa die Schizophrenie-Fehldiagnostik-Rate bei türkisch-stämmigen Migranten höher als bei deutsch-stämmigen Einwohnern. Der Grund: Kulturspezifische Faktoren blieben oft unberücksichtigt. Dies sei auch bei Einwanderern aus Afrika oft der Fall. Berichten diese, sie sehen die Geister ihrer Ahnen, muss dies nicht unbedingt auf eine Psychose deuten, hieß es auf dem Kongress.

Invalidität oft durch Depressionen

Neuropsychiatrische Krankheiten verursachen etwa 32 Prozent aller mit Invalidität verbrachten Lebensjahre. Beim Kongress der DGPPN in Berlin wurden Daten der Weltgesundheitsorganisation vorgestellt, nach denen 12 Prozent der mit Invalidität verbrachten Lebensjahre durch Depressionen verursacht werden. Durch Alkoholmissbrauch sind es 3,3 Prozent, durch Schizophrenie 2,8 Prozent, durch bipolare Störungen 2,4 und durch Demenz 1,6 Prozent.

Preis vergeben zu Depressionsforschung

Beim Kongress der DGPPN wurde der mit 10 000 Euro dotierte "Forschungspreis Wyeth Neuroscience Depression und Angst 2007" vergeben. Mit dem Preis ehrt das Unternehmen Wyeth Pharma Wissenschaftler, die mit ihrer Arbeit wertvolle Beiträge zur Depressions- und Angstforschung liefern. Den Preis erhielt in diesem Jahr Dr. Christian Otte aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Otte hat in seinen Arbeiten Zusammenhängen zwischen Depressionen und erhöhtem kardiovaskulären Risiko erforscht.

Weniger Depressive in Oberbayern

Die Häufigkeit von Depressionen ist nach Daten einer Langzeitstudie in Oberbayern gesunken. Die Prävalenz bei der Verlaufsuntersuchung betrug zu Studienbeginn 18,1 Prozent, lag nach 5 Jahren bei 14,0 Prozent und befindet sich jetzt, 25 Jahre später, bei 16,1 Prozent, sagte Professor Manfred Fichter von der Klinik Roseneck bei einem Symposium von Lundbeck. An der repräsentativen Bevölkerungsstichprobe nahmen Mitte der 70er Jahre ursprünglich 1 668 Personen aus dem Landkreis Traunstein teil. Dieselben Personen wurden 5 und 25 Jahre später von Ärzten und Psychologen erneut untersucht.

(mut/ugr)

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