Ernährungsmedizin

Häufig fehlt‘s an Vitamin D

Ein großer Teil der Bevölkerung in Deutschland ist unzureichend mit Vitamin D versorgt. Erforderlich sind neue Strategien, um hier Abhilfe zu schaffen.

Von Sabine Fankhänel Veröffentlicht:

Sonnenlicht, fettreiche Seefische und Pilze sind gute Quellen für Vitamin D. Bei unzureichender Versorgung kann eine Supplementierung erwogen werden.

Foto: Alex Staroseltsev-, Leonid Nyshko-, Birgit Reitz-Hofmann-, jasonyerface ©www.fotolia.de / Montage: ill

Fragen zu Vitamin D beantworteten Experten beim Hohenheimer Ernährungsgespräch, das auf Einladung von Professor Hans K. Biesalski erstmals Ende März an der Universität Hohenheim stattfand.

Die unzureichende Versorgung in Deutschland beruhe auf einer geringen Aufnahme mit der Nahrung, denn nur wenige Lebensmittel wie Fettfische oder Pilze sind gute Vitamin-D-Lieferanten. Das zeigen auch die Daten des Bundes-Gesundheitssurveys, die Dr. Birte Hintzpeter vom Robert Koch-Institut Berlin vorstellte. Die durchschnittliche Aufnahme an Vitamin D betrug in der repräsentativen Studie bei Männern 2,8 µg/Tag und bei Frauen 2,3 µg/Tag (Europ J Clin Nutr 62, 2008, 1079). Insgesamt 81 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen erreichten nicht die empfohlene tägliche Zufuhr von 5 µg Vitamin D (200 IE) bzw. 10 µg für über 65-Jährige.

Dementsprechend sind niedrige Serumspiegel an 25-OH-Vitamin-D häufig, erläuterte Hintzpeter. Ein moderater Vitamin-D-Mangel, also Serumwerte unter 25 nmol/l, wurde bei 16 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen beobachtet. Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/l, die nach heutigem Kenntnisstand als unzureichend angesehen werden, wiesen 57 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen auf. Bei den über 65-jährigen Frauen waren es 75 Prozent. Von den 3- bis 17-jährigen Teilnehmern des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys wiesen 62 Prozent der Jungen und 64 Prozent der Mädchen Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/l auf.

Deutlich werde aus diesen Daten, so Biesalski, dass eine niedrige Aufnahme mit der Nahrung nicht immer durch die hauteigene Synthese mithilfe von UV-B-Strahlen ausgeglichen würde. Denn einerseits nehme diese Fähigkeit mit dem Alter ab, andererseits hielten sich Kinder und Jugendliche immer weniger im Freien auf.

Konsequenz einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung, insbesondere im Kindes- und Jugendalter, sei ein deutlich erhöhtes Risiko für Osteoporose im Alter. Eine schlechtere Versorgung bei älteren Menschen erhöhe das Frakturrisiko, aber auch die Krankheitsanfälligkeit gegenüber Infekten.

Daher sollte bei Kindern, die sich eher selten im Freien aufhalten, und bei älteren Menschen mit Schmerzen am Bewegungsapparat vorsorglich der Vitamin-D-Spiegel bestimmt werden, so Biesalski. Werde eine Unterversorgung diagnostiziert, gilt: Junge Menschen sollten sich regelmäßig im Freien aufhalten. Älteren rät Biesalski zur Supplementation von 500 mg Calcium und 800 IE Vitamin D täglich.

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