Umfrage überrascht

Harnsteinleiden sind doch selten

Harnsteinleiden sind in Deutschland doch nicht so weit verbreitet wie gedacht. Dieses überraschende Ergebnis wurde auf dem DGU-Kongress vorgestellt.

Von Roland Fath Veröffentlicht:

DRESDEN. Eine repräsentative Studie zur Häufigkeit von Harnsteinleiden in Deutschland hat überraschende Erkenntnisse gebracht: Die Prävalenz ist geringer als erwartet, zudem rückläufig.

Die gute Nachricht: Die Harnstein-Rate beträgt nur 3,2%. Die schlechte Nachricht: Die Patienten haben oft Rezidive, und längst nicht so viele wie empfohlen nutzen die Möglichkeiten der Prophylaxe.

"Die neuen Daten sind weltweit einmalig", sagte Dr. Michael Straub, TU München, auf einer Veranstaltung vom "Arbeitskreis Harnsteine" beim DGU-Kongress in Dresden.

Mit Unterstützung von infas wurden 10.000 Telefoninterviews bundesweit geführt und 30 Fragen zum Gesundheitszustand gestellt, davon 20 spezifische zu Harnsteinen.

Die Häufigkeit von Harnsteinen betrug nur ein Zehntel der von Hypertonie, berichtete Straub. 325 Patienten (3,2%) hatten ein Harnsteinleiden; bei der letzten Erhebung im Jahr 2000 lag die Prävalenz noch bei 5%.

Die Inzidenz von Harnsteinen in der Bevölkerung liegt den Daten zufolge nur bei 0,4% - im Vergleich zu 1,5%-2% im Jahr 2000.

Stoßwellentherapie an erster Stelle

Etwas mehr als jeder vierte Betroffene, nämlich 90 Befragte, hatten bereits ein Harnsteinrezidiv gehabt, und dies in der Regel nicht nur einmal, sondern bereits drei bis fünf Mal. Jeder fünfte Patient mit Harnsteinen hatte eine familiäre Disposition.

Bei rund der Hälfte der Patienten gingen die Steine ohne medizinische Intervention ab, berichtete Straub.

Wurde interveniert, stand die Stoßwellentherapie (ESWL) nach wie vor an erster Stelle; sie wurde bei jeder dritten Steinentfernung vorgenommen. Es folgten die URS (Ureteroskopie), die Laparoskopie und die PNL (perkutane Nephrolitholapaxie).

Welches Verfahren eingesetzt wird, hängt erheblich von der Klinik sowie dem Alter und der Erfahrung des behandelnden Arztes ab, sagte Privatdozent Hans-Martin Fritsche aus Regensburg. Evidenzen zur Überlegenheit bestimmter Verfahren gibt es nur wenige.

In einem Cochrane-Review war die flexible URS nur bei distalen Uretersteinen etwas effektiver als die ESWL, berichtete Fritsche, nicht aber bei proximalen Ureter- oder Nierensteinen. Nicht mehr empfohlen wird dafür heute die Laparoskopie.

Wenn Größe und Lage der Steine es zulassen, ist nur bei Symptomen, etwa Schmerzen oder Hämaturie, eine umgehende Behandlung nötig.

Lebensgewohnheiten werden selten geändert

In einer Studie bei asymptomatischen Patienten mit kleinen Kelchsteinen blieben zwei Drittel über 25 Monate frei von Beschwerden, berichtete Professor Dirk Fahlenkamp aus Chemnitz.

Allerdings könne eine frühe Intervention, je nach Alter, Komorbidität und Beruf der Patienten, sinnvoll sein. Zu berücksichtigen sei auch das Komplikationsrisiko. Gering ist es bei der ESWL (renales/perirenales Hämatom , 1%).

Bei der URS werden bei 3%-11% der Behandelten Komplikationen wie Ureterperforation oder -abriss berichtet, bei der PNL beträgt die Rate - etwa Blutung, Sepsis, Nierenverlust, Verletzung von Darm oder Pleura - bis zu 20%, betonte Fahlenkamp.

Überraschendes hat die Erhebung auch zur Steinprophylaxe ergeben. Deutlich weniger als die Hälfte aller Betroffenen ändern ihre Lebensgewohnheiten (viel Trinken, Diät) oder machen eine medikamentöse Prophylaxe, sagte Straub.

Der Anteil der Patienten, die Medikamente zur Steinprophylaxe einnahmen, lag in der Studie unter 9%. Empfohlen wird die medikamentöse Prophylaxe für rund ein Viertel aller Steinpatienten.

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